Können wir im Westen keine Kirchen mehr bauen?


Die Konfessionen tragen die Kunde vom Kirchensterben wie heilige Wundmale vor sich her. Und wenn sie ein neues Gotteshaus bauen, dann sieht es aus wie St. Trinitatis in Leipzig: kalt und sperrig.


Von Dankwart Guratzsch|DIE WELT

Im Jahr 2014 sind 218.000 Katholiken aus ihrer Kirche ausgetreten. Das war Rekord. Trotz Papst Franziskus, dem neuen Sympathieträger, trotz Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, trotz weltweiten sozialen Werken. Der evangelischen Kirche geht es nicht besser. Doch daneben stehen dann solche Nachrichten: Noch nie boomten die Wallfahrten so wie heute. Oder: Hunderttausend Besucher auf dem 35. Evangelischen Kirchentag Stuttgart – die Widersprüche machen die Amtskirchen ratlos.

Wer die festliche Weihe der neuen Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig miterlebt hat, wird sich verwundert die Augen gerieben haben. Der größte Neubau einer Kirche nach der Wiedervereinigung, noch dazu einer katholischen Kirche, noch dazu im gottlosen Osten, ausgerechnet im protestantischen Sachsen, obendrein am Martin-Luther-Ring und auch noch exakt vis-à-vis dem Rathaus – ist das nicht anachronistisch?

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