USA: Vorwahlkampf mit religiösen Noten


Donald Trump. Bild: angryblackladychronicles.com

Die Bedeutung des Katholizismus nimmt nach Einschätzung der Amerikanistik-Professorin Sabine Sielke in den USA zu. Grund dafür ist eine veränderte Bevölkerungsstruktur. Sielke blickt auf die erste TV-Debatte der Republikaner.

Von Christian Schlegel|domradio

domradio.de: Woran wurde bei dem Wahlduell deutlich, dass auch hier wieder religiöse Werte als besonders wichtig erachtet werden?

Sabine Sielke (Professorin für Nordamerikanische Literatur und Kultur an der Uni in Bonn): Die Bedeutung der Religion zeigte sich auf sehr vielen Ebenen der Debatte und das auf direkte und indirekte Weise. Zum einen dadurch, dass einige der Kandidaten dem religiös konservativen Spektrum der Republikaner zugerechnet werden können und diese Position auch vertreten. Zum Beispiel Mike Huckabee, der früher sogar Baptistenprediger war oder Ted Cruz und Rand Paul, die der Tea-Party nahe stehen. Diese Kandidaten brandmarken gleichzeitig die Demokraten immer als links und progressiv. Kandidaten wie Scott Walker und Ted Cruz vertreten in den Debatten um die eingeschlechtliche Ehe oder Abtreibung konservative Positionen und auch diese assoziieren wir häufig mit einer religiösen Moral.

Gleichzeitig wird die Religiosität vielleicht auch implizit deutlich. Die Tatsache, dass Kandidaten wie Trump reüssieren können, lässt sich auf die puritanische Überzeugung zurückführen, dass wirtschaftlicher Erfolg ein Zeichen von Gottes Gnade ist. Das glaubten die Puritaner früher. Es ist dadurch auch kein Makel, wenn man in ein solches Rennen startet und nur die Qualifikation hat, Milliardär zu sein und viel Geld gescheffelt zu haben. Gleichzeitig scheint natürlich die Haltung von Trump in Fragen der Einwanderungspolitik wenig christlich. Er will ja eine Mauer an der US-amerikanischen Grenze zu Mexiko bauen, während Jeb Bush, wie sein Bruder George W. Bush, bereits für eine Einbürgerung illegaler Einwanderer plädiert.

weiterlesen