Die Jesuiten: Freigeistig, gebildet und streng hierarchisch


Ignatius von Loyola, Gemälde von Francisco Zurbaran (1598-1664). Bild: wikimedia.org/PD
Klöster und Orden sind beliebt. Gerade kirchenferne Menschen finden dort Stille und Zeit für sich selbst. Auch Papst Franziskus ist ein Ordensmann, nämlich Jesuit. Die legen Wert auf eine akademische Ausbildung, wollen Einfluss nehmen – und sie ecken deshalb an.


Von Burkhard Schäfers|Deutschlandfunk

Es beginnt schon bei der Ordensgründung im 16. Jahrhundert: Ignatius von Loyola, ein Adeliger aus dem Baskenland, wendet sich mit einigen Gefährten direkt an den Papst. Der soll sie dorthin schicken, wo er es für sinnvoll hält – als Elitetruppe, die den christlichen Glauben verbreitet. Auf eine Ordenstracht verzichten die Jesuiten, auch das sorgt für Aufsehen. Im Establishment der katholischen Kirche eckt Ordensgründer Ignatius an, sagt der Jesuit Patrick Zoll:

„Er ist schon innerkirchlich ein Mann, der provoziert. Ein Mann mit Ecken und Kanten, der mit einer langen Ordenstradition gebrochen hat. Auf einmal Ordensmänner, die kein Habit mehr tragen, die kein Chorgebet mehr beten. Und mit dem Anspruch, Elite zu sein – das hat provoziert. Er ist ein kantiger, ein ungemütlicher, ein teilweise auch verstörender Heiliger.“

Freigeist mit Zopf

Ignatius schreibt seinen Ordensleuten ein langes Studium vor: Theologie, Philosophie, wenn möglich weitere Fächer. Und so ist Bildung bis heute ein Schwerpunkt der Jesuiten: Sie haben Schulen, Universitäten, leiten Akademien und wissenschaftliche Einrichtungen. Ihr Engagement geht weit über die katholische Theologie hinaus: In Fragen von Medizin und Ethik, Kultur, im wirtschaftlichen Diskurs oder in der Debatte mit dem Islam. Patrick Zoll lehrt Sozialethik an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München.

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