Japans Schwierigkeiten mit der Niederlage von 1945


Hirohito, 1932. Bild: wikimedia.org/Bundesarchiv, Bild 102-12923 / CC-BY-SA 3.0de

Um die Wurzeln für Japans zwiespältigen Umgang mit dem Krieg und das ausbleibende Eingeständnis einer Kriegsschuld zu verstehen, sollte man wissen, wie die Figur des Tenno historisch angelegt ist.

Von Daniela Tan|Neue Zürcher Zeitung

Am Mittag des 15. August 1945 verlas der Tenno Hirohito in einer Radioansprache den «Kaiserlichen Erlass zur Beendigung des grossostasiatischen Krieges» – eine Bezeichnung für den pazifischen Teil des Zweiten Weltkrieges, der heute ein revisionistischer Beigeschmack anhaftet. Mit der Annahme der Potsdamer Erklärung bestätigte Japan die bedingungslose Kapitulation. Dies war jedoch der Bevölkerung nicht auf Anhieb klar und somit auch nicht, ob der Krieg denn nun zu Ende sei oder nicht. Das Wort Kapitulation wurde in besagter Ansprache nämlich nicht erwähnt. Stattdessen war die Rede von einer «neuen und grausamsten Bombe» des Feindes, die zur Auslöschung nicht nur Japans, sondern der gesamten menschlichen Zivilisation führen könne. Indem Japan darauf verzichte, weiterzukämpfen, rette es Hunderttausende vor dem Untergang. Darauf folgten Ermahnungen an die Bevölkerung, sich ruhig zu verhalten und dem Wiederaufbau zu widmen.

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