Suruc:“Sie wollen unsere Unabhängigkeit verhindern“


Bild: heise.de
Besuch im Flüchtlingslager bei Suruç, ein paar Kilometer von Kobane entfernt


Von Fabian Köhler|TELEPOLIS

Würde Opa Ibrahim seinen beiden Enkeln vom Krieg erzählen, sie wären schnell gelangweilt. Nicht, weil er zu in Erinnerungen schwelgt, dafür ist es mit 45 Grad ohnehin zu heiß. Die beiden kennen die Geschichten, weil sie selbst dabei waren. Vor acht Monaten, als sie vor dem Islamischen Staat aus Kobane in die Türkei flüchteten. Vor drei Wochen, als ein Attentäter 20 Gehminuten entfernt 33 Menschen in den Tod riss. Vor zwei Tagen, als am Himmel die türkischen Kampfjets donnerten.

„Wir werden sie zerquetschen“, sagt Ibrahim und versucht sich an einer kraftvollen Geste, um dann doch wieder zurück auf die Matratze zu sinken. Mit ihm döst eine Hand voll weiterer alter Männer unter einem Baum, der sein Versprechen auf Schatten kaum einlöst. Kaum zehn Kilometer entfernt von dem Ort, der einmal Kobane war, sitzt er, der einmal Arzt war, als einer von tausenden syrischen Flüchtlingen, die der Krieg auch diesseits der türkischen Grenze nicht in Frieden lässt.

„Sie wollen unsere Unabhängigkeit verhindern“, sagt Abu Ziyad. Er ist der Lagerälteste und damit so etwas wie der Bürgermeister in der kleinen Containersiedlung am Rande der türkischen Stadt Suruc. Mit „sie“ meint er die türkische Regierung. Dass diese hinter dem Anschlag steckt, bei dem ein IS-Attentäter am 20. Juli 32 linken türkischen Aktivisten und sich selbst das Leben nahm, die Angriffe der türkischen Luftwaffe vor allem den Kurden und nicht dem IS gelten, gilt auch außerhalb des Lagers als Common Sense.

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