Dschihadisten: „Der Rechtsstaat kann nur verlieren“


Mohamed Mahmoud | © Screenshot
Mohamed Mahmoud ist ein Star der Islamistenszene. Zum radikalen Märtyrer wurde er im Gefängnis. Ein Dilemma, sagt der Wiener Islamforscher Rüdiger Lohlker.


Interview: Florian Gasser|ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE: Vom Wiener Dschihadisten Mohamed Mahmoud tauchte kürzlich ein Video aus Syrien auf, in dem er mutmaßlich eine Geisel des IS ermordet. Mahmoud ist schon lange ein Star in der Islamistenszene. Wie kam es dazu?

Rüdiger Lohlker: Die Frage habe ich mir selbst schon gestellt. Ich habe mir seine Reden angehört und ihn in einer Moschee beim Predigen beobachtet – das war fürchterlich fad, ich habe das gar nicht lange ausgehalten. Einen Hassprediger stelle ich mir anders vor. Er hat keine Ausstrahlung und ist rhetorisch schlecht. Es gibt viele salafistische Prediger, die besser sind als er. Aber er bringt seine Botschaften rüber, kann Arabisch, hatte stets gute Verbindungen und einen Märtyrerbonus wegen seiner Zeit im Gefängnis.

ZEIT ONLINE: Er wurde 2008 in Österreich wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu vier Jahren Haft verurteilt. War dieses harte Urteil ein Bärendienst?

Lohlker: Das Urteil hat ihm zu großem Ansehen in der dschihadistischen Community verholfen. Er ist ein Märtyrer geworden, einer der für den Islam ins Gefängnis geht. Etwas Besseres hätte ihm gar nicht passieren können.

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