Zweiter Weltkrieg: Mediziner auf Raubzug


Aufladen von Raubgut am Peter-Museum in Narwa (Estland) im Februar 1944. Mitarbeiter vom Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg bei der Arbeit. Foto: Bundesarchiv, Nr.: 1977–031–08
Die Rolle der Mediziner beim Kunst- und Kulturraub der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg


Von Gutsul, Nazarii; Kleinmanns, Jan; Schmidt, Mathias|aerzteblatt.de

Als Ende des Jahres 2013 die Medien die verwundene Geschichte der Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt und dessen Vater Hildebrand aufdeckten, wurde schlagartig deutlich, dass die Geschichte der im Zweiten Weltkrieg geraubten oder unter fragwürdigen Umständen erworbenen Sammlungen noch keineswegs hinreichend erforscht ist. Das volle Ausmaß der Verschiebungen aller nur erdenklichen Kunst- und Kulturgüter und deren bis heute teils ungeklärter Verbleib beschäftigen noch immer ganze Heerscharen von Provenienzforschern.

Fest steht zwar, dass im Zusammenhang mit dem Kulturraub auch Ärzte und medizinisches Personal eine Rolle gespielt haben, allerdings sind die personellen Begebenheiten innerhalb der damit beauftragten Kommandos und die Aufgaben der dort arbeitenden Mediziner bisher kaum oder gar nicht erforscht. Unter der Führung des Freiherrn Eberhard von Künsberg plünderte das SS-Sonderkommando Künsberg im Auftrag des Auswärtigen Amtes und im Auftrag des Parteiideologen Alfred Rosenberg plünderte der „Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“ die Bestände von kulturellen, diplomatischen, wissenschaftlichen und politischen Einrichtungen in den besetzten Gebieten (1, 4–6). Offiziell lautete ihr Auftrag auf dem Papier, die Zielobjekte „sicherzustellen“, zu „retten“ oder vor „Zerstörung zu bewahren“ (7). Jedoch interpretierte besonders das SK Künsberg diese Aufgabe nicht im Sinne der Einlagerung schützenswerter Kulturgüter in sicheren Verstecken, sondern in deren Raub und Abtransport nach Deutschland.

weiterlesen