Frans de Waal: Menschen, Bonobos und Richard Dawkins als traumatisierter Neoatheist


Frans de Waal Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote übersetzt von Catherine Hornung Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2015 (ET: 22.08.) ISBN: 9783608980455 24,95 €
Frans de Waal
Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote
übersetzt von Catherine Hornung
Verlag: Klett-Cotta, Stuttgart 2015 (ET: 22.08.)
ISBN: 9783608980455
24,95 €

Schon in Platons frühem Dialog „Euthyphron“ stellt Sokrates (5./4. Jh. v. Chr.) die Frage, ob es eine von den Göttern unabhängige Moral geben könne. Und so wie der griechische Philosoph das seinerzeit bejahte, so ist auch der niederländische Verhaltensforscher Frans de Waal davon überzeugt, dass sich die menschliche Moral ohne Zuhilfenahme Gottes erklären lässt.

Von Eckart Löhr|Spektrum.de

Dabei geht es ihm allerdings nicht so sehr darum, das Wesen der Moral zu verstehen, wie es bei Platon der Fall war, als vielmehr ihre Herkunft zu beleuchten.

De Waal hält den Menschen von Natur aus für gut und glaubt nicht an die von ihm „Fassadentheorie“ genannte Vorstellung, wonach Moralität von außen, oder religiös gedacht, „von oben“ auf den Menschen aufgesetzt sei und sozusagen nur eine dünne Schicht bilde, unter der sich die brutale und gefühllose Natur verberge. Wie der deutsche Biologe und Philosoph Ernst Haeckel (1834-1919) wendet er sich damit gegen den ethischen Dualismus Immanuel Kants und dessen Trennung von theoretischer und praktischer Vernunft. Er versucht nachzuweisen, dass prosoziales Verhalten bereits bei Tieren in Erscheinung tritt, und bietet hierfür eine Fülle an Beispielen moralischen Handelns, das er an Bonobos und Schimpansen beobachtet hat. Seine Versuchsergebnisse belegen, dass Affen sich gegenseitig helfen, einfühlsam sind und ein Gespür für Gerechtigkeit besitzen, was sich etwa bei Streitigkeiten oder auch bei der Verteilung von Nahrung zeigt. De Waal postuliert, moralisches Verhalten entstehe nicht auf einer „abstrakten geistigen Ebene, sondern durch soziale Interaktionen“. Mit dieser Auffassung wendet er sich explizit gegen namhafte Biologen, angefangen bei Darwins Mitstreiter Thomas Henry Huxley (1825-1895), welcher der Meinung war, dass die Natur niemals etwas Gutes hervorbringen könne, bis hin zu dem schillernden Evolutionsforscher Richard Dawkins.

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