Glaubensstreit: Kampf um ein Menschenopfer


Dr. Horst Gorski, Bild: nordkirche.de
Kurz bevor er ein hohes Amt antritt, fordern Evangelikale, der Hamburger Theologe Horst Gorski solle Aussagen aus dem Jahr 2006 widerrufen.


Von Petra Schellen|taz.de

Es geht ums Widerrufen, und es geht um Dinge des Glaubens. Wer jetzt glaubt, er sei im Mittelalter angekommen, liegt gar nicht so falsch: Galileo Galilei fällt einem ein, von dem die Kirchenoberen im 16. Jahrhundert forderten, er solle widerrufen, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Denn dass die göttliche Erde nicht das Zentrum des Universums sei, missfiel dem Papst.

Von Galileo zu Gorski: Horst Gorski ist derzeit Propst im Nordkirchenkreis Hamburg-West/Südholstein, tritt aber im September gleich zwei hohe Ämter an: Er wird Vizepräsident des Kirchenamts der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) sowie Leiter des Amts der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands. Diese Position bedeutet eine große Machtfülle, Gorski dürfte sowohl die Zusammenarbeit der kirchlichen Gremien als auch die theologische Linie der EKD entscheidend prägen.

Wenn es nach einigen seiner evangelischen Glaubensbrüder geht, dann hat auch dieser bald so einflussreiche Mann sich von etwas Gesagtem zu distanzieren: In einem offenen Brief haben Ulrich Rüß, ehemaliger Pastor aus Hamburg, Lübecks Alt-Bischof Ulrich Wilckens und andere Amtsträger konservativ-evangelikaler Bekennender Gemeinschaften gefordert, Gorski möge Teile einer Karfreitagspredigt widerrufen – gehalten im Jahr 2006.

 

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