Kirchlicher Experte wirbt um Verständnis für konventionelle Landwirte


Der kirchliche Agrar-Experte Clemens Dirscherl hat in der Diskussion um das Tierwohl mehr Verständnis für die Situation der konventionellen Landwirte gefordert. Sie sähen sich in einer Zwickmühle zwischen dem Verlangen nach billigem Fleisch und Rufen nach artgerechter Tierhaltung, sagte der Beauftragte für agrarsoziale Fragen der Evangelischen Kirche in Deutschland und Geschäftsführer des Evangelischen Bauernwerks in Württemberg.


Von Martina Schwager|evangelisch.de

„Die naturentfremdete Gesellschaft hat eine Sehnsucht nach ländlicher Idylle entwickelt und vergisst dabei, dass sie das Schnitzel am liebsten günstig beim Discounter kauft.“ Das sei die „Agrar-Schizophrenie“ des modernen Verbrauchers, sagte der Sozialökonom.

Die Landwirte hätten bis in die 1990er Jahre hinein in Universitäten, Fach- und Berufsschulen gelernt, dass es darauf ankomme, möglichst große Mengen möglichst kostengünstig zu produzieren. Nun sähen sich die konventionellen Bauern zu Unrecht von Medien, Tierschutz- und Umweltorganisationen als Tierquäler und Luftverpester an den Pranger gestellt.

Gleichzeitig müssten die Landwirte aber auch akzeptieren, dass gewisse Veränderungen unausweichlich seien: „Business as usual geht nicht.“ Dirscherl appellierte an die Politiker, die Landwirte mitzunehmen. Sie müssten die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich Tierschutz finanziell lohne und die Bauern nicht in den Ruin treibe.

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