„Southpaw“: Mit Esoterik in den Boxerhimmel


Jake Gyllenhaal wurde schon vor der Veröffentlichung des Films „Southpaw“ als heißer Kandidat für den nächstjährigen Darsteller-Oscar lanciert. / Bild: (c) Tobis Film
Jake Gyllenhaal geht in der Rolle des Boxers Billy Hope regelrecht auf. Aber das reicht nicht. Denn Regisseur Antoine Fuqua erzählt ein allzu vorhersehbares Drama.


Von Markus Keuschnigg|Die Presse

Wenige Filmgenres sind so körperlich wie das Boxerkino. Die gespannten Muskeln und verquollenen Augen und blutenden Platzwunden sind die Geschichte selbst: Der Körper wird zum Austragungsort menschlicher Konflikte und existenzieller Krisen. Insofern ist es nur stimmig, dass ein Bild von „Southpaw“-Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal als Anheizer ins Internet gestellt worden ist: Es zeigt den Schauspieler im Boxring, den Oberkörper zu einem Muskelpanzer hochgerüstet, das Gesicht schweißnass und verzerrt vor Aggression.

Die Welt, die nach Authentizität und irgendeiner Form von Wahrheit lechzt, hat es aufgesogen, und schnell mehrten sich die Gerüchte. Dass dieser Film nämlich, vom häufig ausgezeichneten Regisseur Antoine Fuqua, endlich einmal wieder ein Boxerfilm sein könnte, der sich mit den Meisterstücken des Genres messen lassen kann. Denn wo ein Schauspieler nicht nur sein Innen – das ist selbstverständlich –, sondern trotz gesundheitlichen Konsequenzen auch sein Außen, seine Haut und sein Fleisch, einer künstlerischen Vision unterordnet, da ortet man Großes, Weltbewegendes wie einst bei Robert De Niros Darstellung von Jake LaMotta in Martin Scorseses Meisterwerk „Wie ein wilder Stier“ (1980). Und ja, tatsächlich, wie dieser für gewöhnlich bubenhafte Gyllenhaal, gerne abonniert auf den feinfühligen Außenseiter, sich aufgepumpt hat, um zu Billy Hope zu werden, ist beeindruckend.

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