Moses Mendelssohn: Vom Talmudschüler zum jüdischen Aufklärer


Moses Mendelssohn (1771, Porträt von Anton Graff, Kunstbesitz der Universität Leipzig) PD
Moses Mendelssohn (1771, Porträt von Anton Graff, Kunstbesitz der Universität Leipzig) PD

Moses Mendelssohn (1729-1786) gilt als Vater der Haskala, der jüdischen Aufklärung. Und weil mit ihm eine Reformbewegung im Judentum einsetzte, bezeichnete man ihn auch als „jüdischen Luther“. Doch zu einer Reformation im deutschen Judentum kam es erst in den Generationen nach ihm.

Von Thomas Klatt|Deutschlandfunk

„Mendelssohn hat vor allen anderen eine große soziale Bedeutung. Er war der Reformator der deutschen Israeliten und seiner Glaubensgenossen. Er stürzte das Ansehen des Talmudismus. Er begründete den reinen Mosaismus.“

Der Potsdamer Philosoph Christoph Schulte zitiert Heinrich Heine. Für den jüdischen Dichter aus Düsseldorf war der jüdische Philosoph aus Dessau, Moses Mendelssohn, der Reformator, ja der Luther des deutschen Judentums.

„Wie Luther das Papsttum, so stürzte Mendelssohn den Talmud und zwar in derselben Weise, in der er ähnlich die Tradition verwarf, die Bibel für die Quelle der Religion erklärte und den wichtigsten Teil derselben übersetzte. Er zerstörte hierdurch den jüdischen wie Luther den christlichen Katholizismus.“

Moses Mendelssohn – der jüdische Luther also! So verführerisch einfach diese Formel auch zu sein scheint, so falsch ist sie. Denn der große Aufklärer wollte sein Judentum gar nicht reformieren. Der Judaist Roland Tasch.

weiterlesen