„Das Alte Testament war die Bibel des Jesus von Nazareth“


Der evangelische Theologe Christoph Markschies (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)
Der Dialog der Religionen ist geprägt von großen Verwerfungen. Das Verhältnis von Juden und Christen ist dafür das Paradebeispiel. Christoph Markschies, Leiter des Instituts Kirche und Judentum, will dieses Verhältnis neu gestalten.

Christoph Markschies im Gespräch mit Kirsten Dietrich|Deutschlandradio Kultur

Kirsten Dietrich: Die Vielfalt der Religionen – auch wenn lange Nächte sie feiern, die Praxis sieht oft anders aus. Dialog ist nicht unmöglich, aber oft schwierig. Vor allem bei Religionen, die eng verwandt sind und sich eigentlich nahestehen müssten – das Verhältnis von Juden und Christen ist sicher das Paradebeispiel für ein solch nahes und schwieriges Verhältnis. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der direkten Herkunft ihrer Religion vom Judentum haben Christen im Lauf der letzten 2000 Jahre immer wieder versucht, sich als Überlegene abzugrenzen – oft mit schrecklichen Folgen für Juden und Jüdinnen. Seit der Katastrophe der Shoa mehren sich auch in den christlichen Kirchen die Versuche, dieses Verhältnis auf andere Füße zu stellen: christliche Schuld anzuerkennen und nach gemeinsamen Wurzeln zu fragen. Einer dieser Versuche ist das Institut Kirche und Judentum: gegründet vor 55 Jahren, 1960, von der Berliner evangelischen Kirche, inzwischen Teil der theologischen Fakultät an der Berliner Humboldt-Universität – und immer wieder Ort eines schwierigen Dialogs. Das Institut hat seit Mai einen neuen Leiter, Christoph Markschies, Professor für Kirchengeschichte. Ich habe ihn gefragt, was ihn an diesem Amt gereizt hat.

Christoph Markschies: Es gibt bestimmte Situationen im Leben einer Fakultät, einer Landeskirche und einer Person, da darf man nicht danach fragen, ob man noch genügend Zeit für eine Aufgabe hat, sondern da ist es einfach notwendig, dass die übernommen wird, und es ist eine Situation entstanden, in der wichtig war, dass sich Landeskirche und Berliner theologische Fakultät zum Institut Kirche und Judentum bekennen, und da ich selbst viel mit Jerusalem zu tun habe, dort studiert habe, mich mit antikem Judentum beschäftigte, habe ich mich der Anfrage, die an mich gerichtet wurde, dieses Institut zu übernehmen, nicht verschlossen und arbeite nun etwas mehr, aber ich tue es gern.

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1 Comment

  1. das Institut Kirche und Judentum: gegründet vor 55 Jahren, 1960 von der Berliner evangelischen Kirche gegründet,
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    Elf evangelische Landesbischöfe gründen 1939 auf der Wartburg voll Stolz ein 200 Mann Institut zur Entjudung des Christentums gegen die „Verseuchung mit jüdischen Ideen“ speziell im AT der Bibel. Der christliche Glaube ist auf rassistische Elemente aus Palästina zu prüfen, jüdisch Minderwertiges ist aus den Kirchen und Texten zu entfernen, ein entjudetes Neues Testament, Katechismus und Gesangsbuch hält die EKD bis etwa 1980 im täglichen Gebrauch.

    Welches ist nun das richtige Institut vom direkt allerliebsten Jesulein beauftragt

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