Glaubenssache – In vielen Teilen der Welt erstarken die Religionen


TheCreation_399

Wie sich kluge Menschen doch irren können: Religionen sind noch nicht von der Bildfläche verschwunden. Im Gegenteil: In vielen Regionen der Welt erstarken sie, zum Teil mit problematischen Begleiterscheinungen.

Von Elizabeth Zoll|SÜDWEST PRESSE

Für eine Totgesagte gebärdet sich die Patientin erstaunlich lebendig. Sie steht Pate für Kriege, wird benutzt, um wirkungsvoll Macht und wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Die Rede ist von der Religion, wobei es „die“ Religion gar nicht gibt. Es ist in Wirklichkeit eine Vielzahl unterschiedlicher Weltanschauungen. Da schüren neue Sekten gegen traditionelle Religionen, kämpfen Schiiten gegen Sunniten, Alawiten gegen Aleviten, all diese gegen Juden, Muslime gegen Christen, Hindus gegen Muslime, Fanatiker gegen Nichtgläubige, christliche Fundamentalisten gegen alles, was fremd ist. Selbst innerhalb der Religionsgemeinschaften herrscht Streit. Liberale machen Traditionalisten den Wahrheitsanspruch streitig – und umgekehrt, spalten sich immer neue Gruppierungen von alten Gemeinschaften ab.

weiterlesen

2 Comments

  1. Ich glaube nicht, dass die Religionen erstarken. Sie werden lauter. Sie werden radikaler. Ja. Sie werden lauter und radikaler, weil die Wischiwaschi-Religiösen sich kaum noch artikulieren, und/oder sich zur Gänze oder teilweise von der organisierten Religion entfernen, die radikalsten Religioten verbleiben, die sich dem Trend entgegenzustemmen suchen.

    In Regionen der Armut und des Mangels trösten sich die Ärmsten mit der Illusion des Ausgleichs im „Jenseits“. Auch ja. Aber in den Regionen des Auskommens oder des Überflusses nimmt die Zahl der Religioten im Mittel ab. (Effekt dabei s. o.)

    Menschen, denen es in den letzteren Regionen schlecht geht, religiotisieren und radikalisieren sich, weil sie keine (andere) Perspektive sehen. Diesen Desillusionierten bieten die (verbliebenen) Radikal-Religioten einen Identifikationspunkt. „Sei wie wir und du bist nicht mehr allein. Wir zeigen dir ein Ziel.“ Die sich aussortiert und überflüssig, unerwünscht fühlen sind ein leichtes Opfer. Niemand ist gerne allein und perspektivlos. So werden aus einigen Radikalen, Verführern doch eine erkleckliche Zahl (z. B. Salafisten).

    Es ist kein Erstarken der Religionen. Es ist eine Radikalisierung der Verbliebenen. Und es ist auch noch das Ergebnis einer Politik, die junge Menschen massenweise zu überflüssigem Junk erklärt und sich einen Scheiß um deren Sorgen und Nöte kümmert. Wenn überhaupt werden diese jungen Menschen als „Problem“ wahrgenommen, wenn sie den Rattenfängern erliegen. (Wichtiger ist wohl, dass die oberen 2% exponentiell ihre Vermögen weiter vermehren, als wäre nicht sicher, wo das enden muss…)

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.