Wir haben mit der Fotografin des toten Flüchtlingsjungen über ihr Foto gesprochen


Nilufer Demir. Foto: DHA

Am Mittwoch letzter Woche sind mindestens 12 Menschen ertrunken, als sie versuchten, vom türkischen Festland in einem Gummifloß die griechische Insel Kos zu erreichen. Einer der Ertrunkenen war der dreijährige Aylan Kurdi, der mit seiner Familie aus dem syrischen Kobane geflüchtet war.

Von Ismail Küpeli|Vice.com

Das Foto des kleinen Jungen, der mit dem Gesicht nach unten am Strand von Bodrum liegt, verbreitet sich in Windeseile in den türkischen sozialen Medien und schließlich auf der ganzen Welt. Schon jetzt ist das Bild zum Symbol für das Elend der Flüchtlinge geworden. Gleichzeitig hat sich eine ernsthafte Debatte darüber entsponnen, ob solche Bilder in den Medien erscheinen sollten oder nicht.

Auf der einen Seite stehen die Journalisten, die mit Hinweis auf Würde des Verstorbenen und aus Rücksicht auf seine Familie darauf verzichtet haben, das Bild zu veröffentlichen. Andere Redaktionen entschieden sich fürs genaue Gegenteil und veröffentlichten das Bild. Ihr Argument: Gerade weil es so schrecklich ist, darf das Bild der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Wenn das das Ergebnis unserer Abschottungspolitik ist, dann müssen die Menschen das sehen.

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2 Comments

  1. Ich bedaure kaum Gefühle zu zeigen. Ich habe das 1945 als Kind erlebt, um unseren Fischkutter herum sind Dutzende Leichen in der Ostsee geschwommen, nachdem der Kahn auf eine Mine gelaufen ist. Auf dem Kutter sind viele durch Flugzeuge erschossen worden. Die Opfer waren Alte, Frauen und Kinder (7) wie ich.
    Dabei geht im Menschen etwas kaputt, das ist nicht mehr reparierbar

    Bis auf die Kinder habe alle das politische Chaos als Ursache des Elends selber freudig gewählt. Das ist heute auch nicht anders. Entweder haben die Muslimen Länder eine brutale Diktatur oder sie versinkten im politisch-wirtschaftlichem Chaos. Die Religion nimmt den Menschen all die humanen Fähigkeiten, die für eine friedliche Ko-existenz mit ihren Nachbarn erforderlich sind

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  2. Für mich ist es unbedingt notwendig, das Foto zu veröffentlichen und es den eiskalten Technokraten und den Xenophoben ins Gesicht zu schleudern.

    Das Bild zeigt im Grunde ein anonymes Bild. Die Person, das (völlig unnötig ums Leben gekommene) Kind ist so zu einem Symbol für ein Opfer durch ein unmenschlich, unsolidarisches Europa. Daher wird nicht dieses Kind sondern ein Kind, ein bedauernswertes Opfer gezeigt.

    Als ich das Bild gesehen habe, hat es mich an meinen gleich alten Enkel erinnert. Hat es mir mich darauf gestoßen, was ich täte, wenn die Lebenssituation für meine Familie so wäre, wie die seiner Familie. Wenn ich keinen einfachen, legalen Weg in eine bessere Situation für meinen Enkel hätte als ein eine äußerst gefährliche Flucht über das Meer, weil Europa mit ekelhaften Gesetzen mir auferlegte, statt für einige hundert Euro nach Europa zu fliegen, für tausende Euro in einer gefährlichen Nussschale über das Meer zu fliehen. Was würde ich fühlen, wenn mein Enkel aufgrund dieser Politik ums Leben käme…

    Und Sie?!

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