Fukushima: Der Geigerzähler tickt


Shouhei Nomura, 79 Jahre, auf dem Weg zum Protestcamp beim AKW Sendai von Kyushu Electric Powers in der japanischen Präfektur Kagoshima. Foto: rtr
Tokio will Bewohner in die Dörfer der Provinz Fukushima zurückschicken. Doch Umweltorganisationen warnen vor zu hohen Grenzwerten – nach wie vor schlägt der Geigerzähler aus.

Von Finn Mayer-Kuckuk|Frankfurter Rundschau

Vor dem Atomunfall hat er bei einer Cateringfirma gearbeitet, aber Yoichi Ozawa läuft heute einen Großteil seiner Zeit mit dem Geigerzähler durch die Provinz Fukushima und misst radioaktive Strahlung. „Diese schwarzen Ablagerungen sind immer verdächtig“, sagt er und deutet auf etwas am Rand der Landstraße, das auch eine verwaschene Bremsspur sein könnte. Tatsächlich klickt das Messgerät direkt darüber jedoch deutlich häufiger: 20 Mikrosievert pro Stunde, ein langfristig ungesunder Wert. „Das zeigt, dass diese Gegend noch längst nicht dafür geeignet ist, normal bewohnt zu werden.“

Ozawa ist ein besonders engagierter Bürger, aber er ist nur einer von vielen Japanern, die sich an einem laufenden Programm der Regierung stören. Möglichst viele Bewohner sollen in den kommenden Monaten in Gemeinden zurückkehren, die geräumt sind, seit im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi der Reaktorkern geschmolzen ist. Rund 100 000 Bürger leben immer noch als Flüchtlinge im eigenen Land. Tokio will ihnen nach eigenem Verständnis die Rückkehr in die Heimat ermöglichen. Arbeiter haben dafür den Boden fünf Zentimeter tief abgetragen, Häuser mit Hochdruckreinigern gewaschen, Bäume gefällt, Klettergerüste auf Spielplätzen abgewischt.

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