Israel: Palästinensische Christen wehren sich


Der Pope kämpft mit: Ein palästinensischer Priester nimmt mit seinen Nachbarn israelische Zäune auseinander. Foto: REUTERS
Der israelische Landraub erfährt ungeahnten Widerstand. Den sonntäglichen Protesten schließen sich auch kirchliche Würdenträger an. Nonnen machen in vorderster Reihe mit – trotz des beißenden Tränengases, mit denen die Soldaten die Protestmenge zurückdrängt.

Von Inge Günther|Frankfurter Rundschau

Nachbarn hatten ihn alarmiert. Auf seinem Olivenhain tummelten sich israelische Soldaten, und Bulldozer hätten mit Planierarbeiten für den Mauerbau begonnen. Aufgeregt raste Walid al-Schatle los, um die Soldaten zur Rede zu stellen. Eine schriftliche Genehmigung hatten sie nicht. Aber um 30 uralte Olivenbäume war es bereits geschehen. Samt ihrem knorrigen Wurzelwerk lagen sie auf der Erde, fertig zum Abtransport. Ein halbes Dutzend dieser Olivenbäume hätten sie da gelassen, berichtet Al-Schatle. „Den Rest“, so nimmt er an, „haben sie in israelischen Siedlungen wieder eingepflanzt.“

Der 52-Jährige arbeitet als Sportlehrer an der deutsch-palästinensischen Talitha-Kumi-Schule in Beit Dschala, einem Städtchen bei Bethlehem. Er ist ein besonnener Mann, außerdem herzkrank. Aber als er den arabischen Arbeitern, die auf Geheiß der Armee die Bäume ausrissen, sagte, sie sollten damit aufhören, er zahle ihnen den Ausfall, wurde aus dem Wortwechsel ein Gerangel. Ein Soldat stieß ihm den Gewehrkolben vor die Brust. Al-Schatle verlor das Bewusstsein und musste mehrere Tage ins Krankenhaus.

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