Mexiko: Schutzheiliger hilft bei Kokainhandel, Tunnelbau und Blutrache


Auf dem Friedhof von Culiacan stehen hausgroße Grabstätten für Drogenhändler aus dem Ort (Archivaufnahme von 2008). (Foto: dpa)
Nur wenige Touristen verirren sich ins mexikanische Culiacán. Dabei ist die Küche vorzüglich – und der Schutzheilige hilft bei Kokainhandel, Tunnelbau und Blutrache weiter.

Von Boris Herrmann|Süddeutsche.de

Am Altar von Jesús Malverde haben die Gläubigen Devotionalien niederlegt: Weihwasser-Fläschchen, Zigarren, Bierbüchsen, ein Bündel US-Dollar. Von der letzten Andacht brennen noch Kerzen, sie tragen die Aufschrift: „Muerte contra mis enemigos“, Tod meinen Feinden. Das Altarbildnis zeigt einen Mann mit eckigem Gesicht, dichten Augenbrauen und gepflegtem Schnurrbart. Er guckt traurig in die Welt. Umso auffälliger sind die, nun ja, lustigen Verzierungen: Hanfblätter, ein gelber Sportwagen, Maschinengewehre.

Das alles soll kein Scherz sein, hier wird gebetet. Etwa so: „Heute vor Deinem Kreuz, oh Malverde, mein Herr, bitte ich um Barmherzigkeit. Erhöre die flehende Stimme dieses bescheidenen Sünders. Schenk mir Gesundheit, Ruhe, Wohlstand.“

weiterlesen