Welteislehre: Fantastische Tiefkühlkost


Hanns Hörbiger, der Begründer der Welteislehre, an seinem Schreibtisch (um 1930). | © ullstein bild
Alles Leben kommt aus dem Eis: Mit dieser Theorie glänzte vor rund 100 Jahren der Ingenieur Hanns Hörbiger auf dem boomenden Markt für esoterische Welterklärungen. Seine „Glazialkosmogonie“ faszinierte Schriftsteller, Philosophen – und die Nazis.

Von Robert M. Müller-Mateen|ZEIT ONLINE

Das Jahr 1894 sei für seinen Vater gleich „dreifach bedeutsam“ gewesen: „Er erfand das nach ihm benannte Ventil, das ihm Wohlstand brachte. Er entdeckte die ›Welteislehre‹, die ihm Berühmtheit brachte. Und er bekam mich als Sohn.“ So hat Paul Hörbiger in seiner Autobiografie die Verdienste seines Vaters aufgezählt. Hanns Hörbiger, geboren 1860 bei Wien und heute eher als Vater der Schauspieler Paul und Attila Hörbiger bekannt, war Ingenieur in Budapest und seit 1896 Inhaber eines Patents für ein massearmes Stahlplattenventil.

In einer Septembernacht wenige Monate nach Pauls Geburt stand er zu Hause am Fenster. „Nach stundenlangem Anstarren der Mondscheibe blitzte plötzlich ein ungeheurer Gedanke auf! Wie ein Keulenschlag traf mich dieser Blitz“, zitierte Hans Wolfgang Behm Hörbiger in einer Biografie von 1930. „Wir blicken auf einen ungeheuer tiefen, also uferlosen Eisozean!“ Es war die Geburtsstunde seiner „revolutionären“ Welterklärung. Eis als Weltenbaustoff. Nach dieser Offenbarung schlich Hörbiger wieder zu seiner Frau ins Bett, „um ihr zu klagen, soeben ›unsterblich‹ geworden zu sein“.

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