Das Exorzismus-Ritual Ruqya und ein angeklagter Imam


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Für viele Religionen ist das Böse ein zentrales Element. Im Christentum ist das der Teufel, der in manchen Kreisen von Exorzisten ausgetrieben wird. Weniger bekannt: Auch Muslime in Deutschland praktizieren mitunter Teufelsaustreibungen, sogenannte Ruqyas. In Berlin wird derzeit vor Gericht verhandelt, ob ein Imam dieses Ritual missbraucht und eine Frau sexuell genötigt hat.

Von Daniela Siebert|Deutschlandfunk

Eine attraktive junge Frau liegt in ihrem Schlafzimmer rücklings auf dem Bett. Sie ist bekleidet, der Raum nur von einer Kerze beleuchtet. Neben ihr liegt ihr Mann. Beide haben die Augen geschlossen, er rezitiert ununterbrochen auf Arabisch die Spruchformel „Im Namen Gottes zuerst und zuletzt“. Sie versucht es ebenfalls, scheitert aber. Sie spricht nicht gut genug Arabisch. Neben ihnen steht ein Imam und rezitiert permanent Koranverse. Über Stunden geht das so. So stellt es sich in groben Zügen dar: das Ruqya – Ritual, von dem die Zeugin Dounya dem Amtsgericht Berlin berichtet hat. Doch dann soll etwas gründlich schief gegangen sein. Oder wie es Staatsanwalt Norbert Winkler am ersten Prozesstag vor dem Gerichtssaal formuliert:

„Zunächst mal geht es in dem Verfahren um den Vorwurf, dass ein Imam einer Berliner Moschee im Rahmen eines, wenn man so will, ehe-therapeutischen Rituals nach dem Koran dieses ausgenutzt hat, um sexuell übergriffig gegenüber der hier Geschädigten geworden zu sein. Wenn sich das Ganze so zugetragen hat, wie das die Geschädigte hier in dem Verfahren gesagt hat, dann stellt sich das Ganze nach meinem Dafürhalten als sexuelle Nötigung dar.“

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