„Gefährliche schwere Sünde“


Bild: heise.de

Das gerade erschienene elfte Heft des IS-Propagandamagazins Dabiq enthält nicht nur Verkaufsanzeigen für einen Norweger und einen Chinesen, sondern auch eine längere Warnung davor, aus dem Herrschaftsgebiet des Kalifats auszuwandern. Ganz besonders abgeraten wird von einer Ausreise in westliche Länder: Diese berge die Gefahr, dass Kinder und Enkel den Islam ablegten und Christen, Atheisten oder „Liberalisten“ würden. Verlernten sie das in Syrien, im Irak und in Libyen gesprochene Arabisch, dann erschwere das auch die Rückkehr zur „Religion“. Und selbst dann, wenn sie dieser Gefahr nicht erlägen, seien sie der ständig Bedrohungen durch „Unzucht, Homosexualität, Drogen und Alkohol“ ausgesetzt.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Die Auswanderung in andere Gebiete sehen die Salafisten aber ebenfalls als sündig an: In den nicht vom IS kontrollierten Gebieten Syriens herrschten „Nusairier“ und die gottlose PKK, in anderen arabischen Ländern „Taghut“-Apostaten, die mit den Amerikanern paktierten, und im Restirak sunnitische „Sahwah“-Verräter, schiitische „Rafida“ („Ablehner“) und „Safawiden“. Sunnitische Rechtsgelehrte hätten bereits im Mittelalter entschieden, dass solche Gebiete nicht mehr zum „Darul-Islam“, dem „Haus des Islam“ gehörten, auch wenn deren Herrscher „den Islam für sich beanspruchen und nach einigen seiner Gesetze herrschen“.

Illustriert ist der Artikel mit einem Foto des ertrunkenen Aylan Kurdi, das Anfang September durch die europäischen Medien ging, und mit einem Bild eines hinten offenen Kleinlaster, in dem sich Orientalen drängen. Das soll anscheinend Assoziationen an den Geflügellaster einer Schlepperbande wecken, in dem Ende August 71 Schleuserkunden auf dem Weg von Ungarn nach Österreich erstickten.

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