Noam Chomsky: In den Abgrund wie die Lemminge


Dialektik der Aufklärung: Auf jeden Fall geht das unbenannte Flugobjekt im allgemeinen Sprachgebrauch glatt als Aufklärungs-Drohne durch. Foto: rtr
Der Sprachwissenschaftler Noam Chomsky spricht im Interview über die Außenpolitik und Geheimdienste der USA, über Whistleblower und andere Helden. Er ist einer der prominentesten Kritiker der US-Politik.

Von Michael Hesse|Frankfurter Rundschau

Er ist eine Ikone der amerikanischen Linken: der Intellektuelle Noam Chomsky. Er hat seit den 60er Jahren hartnäckig zu politischen Fragen Stellung genommen und ist ein Held der globalisierungskritischen Bewegung. Schon früh hat er das Scheitern des Irakkriegs vorhergesagt. Heute kritisiert er die Regierung Barack Obama wegen ihrer weltweiten Drohneneinsätze und des Abhörskandals. Nein, überrascht sei er nicht gewesen, als er zum ersten Mal von dem Abhörskandal gehört habe, den der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden öffentlich gemacht hatte. „Warum auch?“, fragt er. Die Möglichkeit, mit Hilfe des Internets Bürger zu überwachen, stecke doch in der Technologie, es ist ein inhärenter Teil von ihr. Damit gehen einige ziemlich unangenehme Dinge einher. Das Gespräch vermittelte Chomskys Freund Gerhard Heise, der den Sprachwissenschaftler bereits 2013 nach Bonn gelotst hatte.

Professor Chomsky, wir alle erinnern uns an das lächelnde Gesicht von Präsident Obama, das die Hoffnung und das Vertrauen in seine erste Kampagne ausdrückt: „Yes, we can!“. Jetzt, da die Vereinigten Staaten ihre versteckten Operationen fortsetzen und ihr Nachrichtendienstnetz überallhin ausbreiten, sogar die Verbündeten ausspionieren, können wir uns Protestierende vorstellen, die an Obama appellieren: „Wie können Sie nur Drohnen für die gezielte Tötungen verwenden? Wie können Sie sogar unsere Verbündeten ausspionieren? Obama murmelt dann vielleicht mit einem spöttischen Lächeln: „Yes, we can.“
Es war ein Fehler, sich durch das freundliche Gesicht und die beruhigende Rhetorik einlullen zu lassen. Ich sage das nicht im Rückblick. Ich habe über ihn schon vor den 2008-Vorwahlen geschrieben, und verließ mich dabei auf das, was er über sich auf seiner Webseite zum Besten gab. Es war eine Schande.

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