Rai Uno: Die Mafia sitzt im italienischen Fernsehen


Bitte recht freundlich: Talkmaster Bruno Vespa plauscht mit der Tochter und dem Enkel des Mafia-Paten Casamonica. ©RAI
Das Prunkbegräbnis eines Mafia-Paten löste in Rom einen Skandal aus, der noch nicht zu Ende ist. Auf Rai Uno preisen zwei Mitglieder des berüchtigten Casamonica-Clans den Toten wie einen Heiligen.

Von Jörg Bremer|Frankfurter Allgemeine

Das hat Italien noch nie gesehen: Zur besten Sendezeit und im ersten staatlichen Sender Rai Uno durfte sich in einem der bisher angesehensten politischen Fernseh-Salons die berüchtigte römische Mafia-Familie Casamonica präsentieren: Bruno Vespa bot in seiner Talkshow „Porta a Porta“ der Tochter Vera und dem Enkel Vittorio jun. des verstorbenen Clanchefs Vittorio Casamonica eine offene Bühne.

Der Zuschauer traute seinen Augen kaum: Da konnte im schwarzen schulterfreien T-Shirt über einem weißen langen Rock und schwarzen Stöckelschuhen Vera Casamonica ihren Vater mit Papst Johannes Paul II. vergleichen; der Verstorbene sei für sie und die Familie wie ein Heiliger gewesen, befand sie. Die Staatsanwaltschaft hingegen sieht den Verstorbenen als Padrone eines Sinti-Clans, der es mit Rauschgift- und Menschenhandel, mit Erpressung und Betrug zu einem Vermögen von etwa neunzig Millionen Euro gebracht hat. Mehr als ein Dutzend Angehörige des Clans saßen oder sitzen zurzeit in Haft.

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