Favela-Gangster werden radikale Christen


Straßenszene aus Nova Holanda. – Foto: Reuters
Im Angesicht des Todes streckten sie die Waffen und wurden neu geboren: Gangster der Favelas. Evangelikale Christen versprechen ihnen ein besseres Leben. Doch der Satan lauert überall.

Von Philipp Lichterbeck|DER TAGESSPIEGEL

Diese Hände. Weder groß noch kräftig, eher zart und fein. Links ein Ehering. Diese Hände, es sind Mörderhände. Massenmörderhände. Obwohl er das nie so sagen würde.

Es herrschte eben Krieg, damals. Und er war Soldat. Erst als Kind, später als Jugendlicher, immer im Einsatz. Verteidigung des Territoriums, der eigenen Leute, des Geschäfts. Auch Angriffskrieg gehörte dazu, Ausweitung der Drogenverkaufszone. Mit Pistole und Gewehr.

Der Soldat existiert nicht mehr. Sagt er. Als er bei einem Gefecht 13 Kugeln abbekam, da sei er gestorben. Mit 21 Jahren.

Und er wurde neu geboren. Jetzt streckt er die rechte Hand, die Pistolenhand, den Neonleuchten an der Decke entgegen, schließt die Augen, senkt den Kopf. In der Linken hält er ein Mikrofon, seine Worte hallen durch den großen Raum, in dem sich 60, vielleicht 70 Besucher zwischen den Stuhlreihen verlieren.

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