Feminismus: Warum hasst Laurie Penny die Männer so?


Frauenfront: Die Moderatorin Priya Basil, die Autorinnen Mona Eltahawy und Laurie Penny sowie die Filmemacherin Josephine Decker (v.r.) im Haus der Berliner Festspiele Foto: Ali Ghandtschi/ILB

Von Jan Küveler|DIE WELT

Mit sechs beschloss ich, Feminist zu werden. Es war um dieselbe Zeit, da ich mich in der Grundschule mit dem Religionslehrer anlegte. Dass eine Religion besser sein sollte als eine andere, erschien mir unsinnig. Noch unsinniger war nur das Beharren des Religionslehrers darauf, dass er seine Religion ja gar nicht besser finde als die anderen. Warum war er dann so vehement Camp Christentum?

Das erklärt vielleicht, warum mir der Feminismus gefiel. Ist sein konzeptuell überschaubares Ziel doch die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Keine Bevorzugung. Fairness. Vernunft. Aufklärung. Alles schöne Sachen. In der Theorie. Dann gehe ich frohen Mutes auf eine Feminismusveranstaltung und stolpere hinterher bedrückt hinaus. So geschehen am Sonntag im Haus der Berliner Festspiele. Als Gäste des Literaturfestivals Berlin auf dem Podium: Laurie Penny, 1986 in London geboren, heute Fellow in Harvard, schreibt Bücher, in denen sie einen „Backlash gegen sexuelle Freiheit für Männer und Frauen und gegen soziale Gerechtigkeit“ erst beschwört und dann umgehend bekämpft. Außerdem die Ägypterin Mona Eltahawy, kürzlich durch das Buch „Warum hasst ihr uns so?“ aufgefallen, eine Streitschrift für eine sexuelle Revolution in der arabischen Welt. Und zuletzt Josephine Decker, Filmemacherin, die, wie sie sagt, gerne von komplizierten Frauenfiguren erzählt, die Abgründe haben dürfen und kalt und grausam sind. „Die radikale Idee“, wirft Penny spöttisch ein, „dass Frauen eine Persönlichkeit haben.“

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