Merkels weinendes Flüchtlingskind: Wie Reem zum Spielball wurde


Eine Szene, die die Welt bewegte: Angela Merkel und Reem. Bild: NDR
Ihre Tränen vor der Kanzlerin rührten das Land – bis ein „Welt“-Journalist dem palästinensischen Mädchen Reem Sahwil Sätze zu Israel entlockte. Seitdem tobt ein Streit: Die Zeitung sieht sich mit einer drohenden Schadenersatzklage konfrontiert und hat Reems Aussagen auf der Webseite gelöscht.

Von Mirjam Fischer|Cicero

Die Nachfrage nach Interviews sei nach wie vor hoch. Doch wer was wann und wo veröffentlichen wird, bestimmt jetzt ein Berliner Advokat. „Die Einzelheiten wird mein Rechtsanwalt klären“, zitiert er die 14-Jährige in einer Pressemitteilung. So soll etwa der gescheite Teenager, der fließend deutsch spricht, Journalisten nur noch etwas sagen dürfen, wenn ein Dolmetscher anwesend ist. Hans-Eberhard Schultz hat sich Reem Sahwil angenommen. Da war sie schon berühmt. Der Rummel habe in den vergangenen Wochen viel Energie gekostet, sagte Schultz der Deutschen Presse-Agentur. Und dass er jetzt „Ruhe in die Sache bringen“ wolle.

Die Sache. Die hat mit einem Artikel in der „Welt am Sonntag“ (WamS) und mit ihrem Chefreporter zu tun, der im Juli „zu Besuch bei Reem“ war. „So sieht das berühmte Flüchtlingsmädchen die Welt“, titelte er die Home-Story aus dem Rostocker Plattenbau. Wobei Reem kein Flüchtling aus einem aktuellen Krisengebiet ist. Sie kam aus dem Palästinenserlager Jalil im Libanon bei Baalbek, wo die Hisbollah regiert und Terroristen rekrutiert werden, auch für den „Islamischen Staat“. Das Lager wurde 1948 von Arabern gegründet, die aus Israel geflohen sind.

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