Das Kreuz mit der Kirche und den Atheisten


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Nichtreligiöse Menschen werden in Deutschland oft benachteiligt, wie ein Bericht des Humanistischen Verbands zeigt. Doch was folgt daraus?

Von Felix Werdermann|der Freitag

Der Fall ging bundesweit durch die Medien: Eine 25-jährige Frau, vermutlich wurde sie in der Nacht vergewaltigt, wendet sich am nächsten Tag an zwei katholische Krankenhäuser in Köln, mit der Bitte um Spurensicherung. Die Klinikmitarbeiter lehnen die Behandlung der Frau ab, weil sie meinten, in dem Fall auch über Schwangerschaftsabbruch beraten und die „Pille danach“ verschreiben zu müssen – was den kirchlichen Werten widerspreche. Eine Notärztin hatte dies zwar schon getan und hinterher stellte sich heraus, dass die Klinikmitarbeiter die kirchliche Dienstauffassung falsch verstanden hatten. Trotzdem: Katholische Krankenhäuser dürfen offenbar aus religiösen Motiven bestimmte Dienstleistungen verweigern. Nichtreligiöse Menschen werden dadurch benachteiligt.

Offiziell ist die Bundesrepublik ein weltanschaulich neutraler Staat. Doch in der Realität werden die christlichen Kirchen und religiöse Menschen immer noch bevorzugt – und damit die anderen benachteiligt. Der Humanistische Verband präsentiert heute einen neuen „Bericht zur Benachteiligung nichtreligiöser Menschen in Deutschland“. Auf 94 Seiten werden die vielen Ungleichbehandlungen kurz und knapp vorgestellt, auch der Fall aus Köln. Jedes Beispiel für sich wird womöglich als nicht so gravierend wahrgenommen, beispielsweise wenn Kreuze in Schulklassen hängen. In der Gesamtschau sind die Privilegien der christlichen Religionsgemeinschaften jedoch enorm.

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