Australien streicht Impfverweigerern Kindergeld


Credit: Wellcome Library, London/CC BY 4.0
Credit: Wellcome Library, London/CC BY 4.0
In Australien können Eltern jährlich bis zu 15.000 australische Dollar (oder umgerechnet knapp 9.500 Euro) für ein einziges Kind kassieren. Aber nur dann, wenn sie es wie vorgeschrieben impfen lassen. Das schreibt ein neues Gesetz vor, das diese Woche dem Parlament vorgelegt wurde. Dessen Zustimmung gilt als sicher, weshalb die neue Regelung wahrscheinlich wie geplant zum 1. Januar 2016 in Kraft tritt.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Anlass für die Regeländerung ist der massive Anstieg der ungeimpften Kinder im Vorschulalter, deren Zahl in den letzten zehn Jahren von 24.000 auf 39.000 stieg. Ein vor zwei Jahren verabschiedetes Verbot, solche Kinder in Betreuungseinrichtungen aufzunehmen, zeigte bislang nicht die gewünschte Wirkung. Nicht geimpfte Kinder stellen auch eine Gefahr für andere Kinder dar, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen, weshalb der australische Sozialminister Scott Morrison seine Formel „No Jab, No Pay“ („Kein Piekser, kein Geld“) für gerechtfertigt hält.

Die Eltern dieser Kinder sind heute nicht mehr vorwiegend zivilisationsferne Ureinwohner, sondern häufig esoterisch orientierte Großstädter, die an verschwiegene Risiken und an eine Verschwörung der Pharmaindustrie glauben (vgl. Prinzip „Stille Post“ oder warum Diskussionen mit Impfgegnern sinnlos sind und Die unsichtbare Superdiktatur). Ernsthafte Wissenschaftler, die diesen Glauben für aktuell eingesetzte Impfstoffe bestätigen würden, gibt es allerdings nicht. Eine Ausnahme scheint lediglich der Schweinegrippe-Impfstoff Pandremix gewesen zu sein. Er hatte einer im Juli in Science Translational Medicine erschienenen Studie zufolge wahrscheinlich in mehreren Fällen Anteil an der Entstehung von Narkolepsie.

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