Ende der Diskussion


Viele Medien möchten keine Leserkommentare mehr. Bemerkenswerterweise war es ein Leser, der Telepolis darauf aufmerksam gemacht hat: Viele Medien – darunter CNN und Reuters – haben sich weitgehend von der in den 1990er Jahren entstandenen Möglichkeit verabschiedet, dass Leser auf ihren Webauftritten Meldungen kommentieren.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Bei CNN, wo die Kommentaroption seit dem letzten Jahr nur noch „selektiv aktiviert“ wird, begründet man das ebenso wie bei Reuters sowohl mit der Verlagerung von Debatten in Soziale Medien als auch mit einem Trollproblem. Reuters argumentiert, dass Diskussionen am besten in den als Standards etablierten Sozialen Medien stattfinden, weil es dort nicht nur die potenzielle größte Zahl von Teilnehmern, sondern auch gut eingespielte Verfahren gegen „Missbrauch“ gibt.

Auch andere Portale, die ihre Kommentarfunktionen schlossen, nennen dafür einen dieser Gründe: The Daily Beast und Re/code heben Twitter und Facebook hervor, während die Chicago Sun-Times, The Verge , Curbed LA und der Daily Dot (sowie möglicherweise auch deren Werbekunden – wozu sich die Portale aber nicht äußern) mit den Kommentaren ihrer Leser unzufrieden waren.

Der britische Guardian lässt Leser zwar weiter kommentieren, brachte aber auch eine Forderung der umstrittenen Feministin Jessica Valenti (die auf Twitter mit Äußerungen wie „Ich mag meine Männer, so wie ich meinen Müll mag: Zusammengebunden und draußen“ Aufsehen erregte): Ihr reicht die Möglichkeit des Ignorierens von Leserkommentaren nicht – denn wenn sie die ihrer Meinung nach „sexistischen“ Kommentare nicht liest, warum sollte es sie dann überhaupt geben?

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