Folteropfer in Nordirland: „Wir waren Versuchskaninchen“


Auf einer britischen Militärbasis in Nordirland wurden 14 Männer 1971 grausam gefoltert. Zwei Überlebende berichten in Belfast über ihre Erlebnisse und die Hoffnung auf Gerechtigkeit.

Von Rainer Kiebat|SpON EINESTAGES

Der 9. August 1971 war der Tag, an dem sich im Leben von Sean McKenna alles veränderte. Der dunkelhaarige Nordire wurde von Soldaten festgenommen und nach Ballykelly gebracht. In ein Gebäude, das das britische Militär vor der Öffentlichkeit verborgen auf dem Gelände eines alten Flugfelds errichtet hatte. Der Mensch, der nach einer Woche freigelassen wurde, war nicht wiederzuerkennen. Die Haare weiß, die Erinnerung unvollständig, kehrte McKenna als gebrochener Mann zurück.

Nordirland im Jahr 1971, das waren Bomben und Krawalle. Viele katholische Nordiren lehnten sich gewaltsam gegen die britische Verwaltung auf. Das britische Militär und die Polizei gingen mit Härte vor – es kam zu zahlreichen Verhaftungen, auch willkürlich. 14 Internierte fanden in Ballykelly die Hölle auf Erden vor. Das heißt: Sehen konnten sie sie nicht. Sie spürten nur. Die ihnen übergezogenen Kapuzen gaben den Männern ihren Titel – „Hooded Men“.

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