Interview mit Raed Saleh: „Wir müssen jetzt neue deutsche Einheit wagen“


Raed Saleh ist ein Berliner SPD-Politiker mit Migrationshintergrund. Foto: REUTERS
Der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh spricht im FR-Interview über Fehler bei der Integration, eine neue Leitkultur und Angst vor Flüchtlingen.

Interview Jochen Arntz|Frankfurter Rundschau

Raed Saleh, 38, stammt aus Palästina. Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus bewarb sich 2014 vergeblich um den Posten des Regierenden Bürgermeisters.

Herr Saleh, Sie kamen im Westjordanland zur Welt, haben in Berlin-Spandau Abitur gemacht und sind heute Chef der Berliner SPD-Fraktion. Waren Sie ein Flüchtling?
Wissen Sie, mein Vater kam als Gastarbeiter nach Berlin, wie viele Hunderttausend andere, die Deutschland mit aufgebaut haben. Er hat dann mich und die ganze Familie nach Berlin geholt. Seitdem sind wir Berlinerinnen und Berliner.

Was war für Sie wichtig, um als Zugezogener in dieser Gesellschaft anzukommen, die sie nun politisch mitprägen?
Mein Vater hat uns Kindern früh mit auf den Weg gegeben: Packt die Koffer aus und lasst sie ausgepackt. Viele andere haben mit der Lebenslüge gelebt, irgendwann wieder in die alte Heimat gehen zu wollen. Wir aber sollten hier schnell heimisch werden, wir hörten: Seid Vorbild, benehmt euch in Berlin! Das war meinen Eltern wichtig. Wir sollten nicht neben der Gesellschaft stehen. Das war nicht immer einfach im Berlin der 80er Jahre. Dort, wo ich aufgewachsen bin, war Vielfalt noch nicht Normalität. Mein Vater war Arbeiter in einer Bäckerei und hat bei uns auf eins Wert gelegt: auf Bildung.

weiterlesen