Pegida und das Christentum: Lieb Abendland, darfst ruhig sein


Foto: picture alliance Ein Kreuz in Schwarz-Rot Gold? Das ist ein Widerspruch in sich.
Die Angst vor einer Islamisierung Deutschlands ist da am größten, wo die christlichen Bindungen am geringsten sind. Die Pegida-Demonstranten sollten mal wieder in die Kirche gehen. Ein Kommentar.

Von Gerd Appenzeller|DER TAGESSPIEGEL

Als Phantomschmerz bezeichnet man in der Medizin Schmerzempfindungen an einem Körperglied, das amputiert worden ist. Da tut also etwas weh, was nicht mehr vorhanden ist. Dafür, wie diese Schmerzempfindungen entstehen, gibt es nach wie vor keine unumstrittene Erklärung. Dass es aber Phantomschmerzen auch außerhalb der Wissenschaft gibt, ist sicher. Die montäglichen Demonstrationen der Pegida-Bewegung in Dresden sind, wenn man die Beweggründe der Protestierer sorgfältig analysiert, zum Beispiel als Indiz für Phantomschmerzen zu verstehen.

Pegida – das steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. In den Hochzeiten dieser Bewegung brachte ihr Initiator, Lutz Bachmann, bis zu 50 000 Menschen dazu, Parolen skandierend durch Dresden zu laufen. Zuletzt waren es zwischen 4000 und 10 000, je nachdem, wer gezählt hat. Rufe wie „Lügenpresse“ sind geblieben, „Merkel muss weg“ hingegen ist ein neuer Zungenschlag. Das geht vermutlich auf die steigende Zahl von Kriegsflüchtlingen aus Syrien zurück, die nicht nur in diesen Kreisen der Bundeskanzlerin angelastet werden, weil sie die Dublin-Regelung für Deutschland vorübergehend außer Kraft setzte.

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