Der Schweinemord von 1915: Als die Wissenschaft eine Hungersnot provozierte


Hunger an der Heimatfront: Frauen und Kinder stehen 1917 in Berlin Schlange an einem Lebensmittelgeschäft. (picture alliance / dpa)
Mehr als fünf Millionen Schweine wurden im ersten Quartal 1915 im Deutschen Reich geschlachtet. Das hatte fatale Folgen für die Bevölkerung. Udo Pollmer erinnert daran, wie der Rat von Wissenschaftlern zu einer beispiellosen Fehlentscheidung im Kaiserreich führte.

Von Udo Pollmer|Deutschlandradio Kultur

Vor 100 Jahren befand sich das Deutsche Kaiserreich im Ersten Weltkrieg. Im Herbst 1915 verschlechterte sich die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung rasant. Das Militär hatte, bevor es in den Krieg eintrat, versäumt ausreichend Lebensmittelvorräte für magere Zeiten anzulegen. Zwar verfügte das Reich damals über doppelt so viel Ackerfläche wie die Bundesrepublik heute, es konnte sich aber nur zu 80 Prozent selbst ernähren. Nachdem die britische Seeblockade die Importe mit Nahrungsmitteln unterband, wurde der Mangel deutlich spürbar.

Zuvor war der grandiose Plan deutscher Ernährungsprofessoren, um die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen, kläglich gescheitert. Das Kaiserliche Statistische Amt hatte nämlich bei den Bauern erfragt, was sie denn noch so an Getreide, Kartoffeln und Vieh besäßen. Aus dem Ergebnis glaubten die Professoren folgern zu können, dass die Futtermittel für die 25 Millionen Schweine nicht reichen würden. Also empfahlen sie die außerplanmäßige Schlachtung von 5 Millionen Borstentieren.

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1 Comment

  1. Mein Großvater Liebe hatte eine Schlachterei in Berlins Fruchtstraße nahe dem Schlesichen Bahnhof, plus einige Verkaufsstände in Markthallen. Im Jahr 1917 muste er den Betrieb schließen, es gab im Kaiserreich kein Schlachtvieh mehr, die Fleischversorgung ist total zusammengebrochen

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