Europa war christlich und wollte es bleiben


Foto: Jeremy Lightfoot/Robert Harding World Imagery/Corbis
Foto: Jeremy Lightfoot/Robert Harding World Imagery/Corbis

1815 gründeten Russland, Österreich und Preußen die Heilige Allianz, die Mutter aller EU-Gipfel. Heute gilt sie als Ausgeburt von Restauration und Unterdrückung. Doch sie war besser als ihr Ruf.

Von Ulli Kulke|DIE WELT

Europäische Solidarität war vor zwei Jahrhunderten kein leeres Wort: Im Frühjahr 1821 mobilisiert Kaiser Franz von Österreich seine Truppen, mit einem Marschbefehl nach Süditalien. Dort schlagen sie einen Aufstand nieder und verhelfen König Ferdinand I., Herrscher über Sizilien und Neapel, zur Rückkehr auf seinen Thron.

1823 dann sind es 100.000 französische Soldaten, die einem anderen Ferdinand zu Hilfe eilen: dem König von Spanien, der von liberalen Kräften gezwungen wurde, eine Verfassung samt Ständeversammlung zu akzeptieren, und daraufhin von extremen Umstürzlern bedrängt wird. Die französischen Truppen ziehen über die Pyrenäen, erobern den Rückzugsort der Revolutionäre, die Festung Trocadero bei Cádiz, und sorgen für die alten Zustände. Ohne Ständeversammlung, mit Ferdinand VII., als absolutem Herrscher. Damit das nicht in Vergessenheit gerät, auch nicht bei spanischen Besuchern, heißt ein großer Platz in Paris bis heute „Trocadero“.

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