SHEE: Das Weltraumwurfzelt für eine Mond- oder Marsmission


SHEE Consortium, rendering-LSG, 2014
Wenn eines Tages Menschen zum Mond zurückkehren oder zum Mars fliegen, brauchen sie dort eine Wohnung, in der sie arbeiten, aber auch mal die Beine hochlegen können. Und diese Wohnung sollten sie nicht selbst errichten müssen, sondern die sollte schon bezugsfertig auf sie warten.

Von Hans-Arthur Marsiske|TELEPOLIS

Roboter, die mit der Zuverlässigkeit und dem Geschick menschlicher Bauarbeiter mal eben ein Gebäude hochziehen, dürften allerdings auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung stehen. Aussichtsreicher sind Unterkünfte, die selbst mit Robotiktechnologie ausgestattet sind und deren Komponenten sich selbstständig zusammenfügen können.

Das ist die Idee des EU-Projekts SHEE (Self-Deployable Habitat for Extreme Environments), das eine Art Wurfzelt fürs All entwickelt hat: Ein komplett ausgestattetes Habitat für ungemütliche Umgebungen, das sich automatisch entfalten und in Betrieb gehen kann. Koordiniert wurde das Projekt von der International Space University in Strassburg, wo das Habitat derzeit noch bis Ende des Jahres getestet wird. Verantwortlich für das Design war die Wiener Liquifer Systems Group. Deren für Weltraumarchitektur verantwortliche Ko-Direktorin Barbara Imhof erläutert im Interview die Hintergründe des Projekts.

Das Habitat SHEE soll zwei Personen für 14 Tage Unterkunft gewähren. Orientiert sich diese zeitliche Vorgabe am Tag-Nacht-Rhythmus des Mondes?

Barbara Imhof: Nein, das ist der gängige Zeitrahmen für eine kurzfristige Mission, die „nominal mission“, wie es auf Englisch heißt. Man geht allgemein bei einer Rückkehr zum Mond oder der ersten bemannten Mission zum Mars zunächst von einer Aufenthaltsdauer von zwei bis drei Wochen aus. Das reicht, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.

Q Wie muss ich mir die Entwicklung des Designs vorstellen? Womit beginnt man?

Barbara Imhof: Wir haben uns zunächst einmal umgeschaut, was es schon alles an faltbaren Architekturen gibt, insbesondere in diesem eher kleinen Maßstab. Das Ergebnis war ein Dokument von etwa 100 Seiten Umfang, das Konzepte vom faltbaren Campingwagen bis hin zu militärischer Ausrüstung auflistete. Daraus haben wir Ideen herausdestilliert, die von der Größe her zu unserem Vorhaben passten. Bei der Größe wiederum haben wir uns an Überlegungen zu zukünftigen Schwerlastraketen für Marsmissionen orientiert, bei denen ein Durchmesser von sechs Metern angenommen wird. Da sollte das Habitat hineinpassen.

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