Transgender: Maggy galt als Abschaum – dann flüchtete sie zu uns


Maggy wurde als Majid im Libanon geboren – mit einer Frauenseele, wie sie sagt. Von ihrer Familie verstoßen, trat sie als einzige Dragqueen in Beirut auf. Bis sie verhaftet wurde und nach Europa floh. Quelle: Die Welt
Früher war sie ein Mann und hieß Majid. Als Transgender im Libanon hatte Maggy die Wahl: Leben als Ausgestoßene oder die Flucht nach Europa. Sie schaffte es nach Deutschland. Und erzählt von ihrem Weg.

Von Jakob Hanke, Danica Bensmail|DIE WELT

Hohe Wellen. Maggy fehlt jede Orientierung. Es ist stockdunkel. Wo sind die Sterne, wenn man sie braucht? 45 Menschen in einem kleinen Boot. Unter ihnen viele Kinder. Eigentlich sollten sie jetzt in ihren Betten liegen. Warm und satt. Stattdessen sind sie auf dem offenen Meer.

Schwarzes, tiefes Wasser.

Keiner spricht. Nur das Brummen des Außenbordmotors könnte sie verraten. Die Wellen schwappen gegen die dünne Plastikwand des Bootes. Eine Nussschale auf dem Weg von Izmir nach Kos.

Plötzlich bricht Hektik aus. Der Schleuser reißt das Ruder herum. Ein Stahlkoloss taucht aus der Finsternis auf. Bedrohlich baut sich der Bug über den Flüchtlingen auf. Die türkische Küstenwache. Bis hierhin und nicht weiter. Nur wenige Kilometer entfernt: griechische Gewässer, Europa. Sicherheit. Das grelle kalte Licht des Suchscheinwerfers brennt auf Maggy herab. Sie fühlt sich nackt, hilflos.

Wie ein Prellbock rammen die Türken die Nussschale, um sie zum Kentern zu bringen. Ein dumpfes Knacken. Das ganze Boot bebt. Noch mal, stärker. Panik bricht aus. Das Boot bäumt sich auf. Mit einem gewaltigen Klatschen schlägt es wieder auf das Wasser.

Schreie. Verzweifelt recken Mütter ihre Babys in die Höhe, den Männern der Küstenwache entgegen. „Tötet sie nicht“, flehen die Frauen.

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1 Comment

  1. „Zum ersten Mal fühlt sie sich sicher. „In Berlin kann ich ohne die Angst rausgehen, geschlagen oder vergewaltigt zu werden. Das ist unglaublich.““

    In BERLIN kann man sich sicher fühlen?
    Das glaub ich ja jetzt nicht.
    Da würde ja nicht mal ich mich sicher fühlen.

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