ARD-Doku über Sterbehilfe: Der letzte Wille


Schmerzen zu lindern, ist die Aufgabe von Arzt und Palliativmediziner Matthias Tönz, der schon viele Patienten beim Sterben begleitet hat. – Foto: MDR/Carsten Waldbauer
Eine ARD-Doku widmet sich dem komplexen Thema Sterbehilfe – statt politischer Statements gibt es dabei viel Lebenswirklichkeit zu sehen.

Von Thomas Gehringer|DER TAGESSPIEGEL

Der Berliner Romanist Karl Faltenbacher bestimmte den Zeitpunkt seines Todes selbst. Er litt unter einer Krankheit, bei der die Organe nach und nach versagen: Amyloidose. Kurz vor seinem Tod gab er einem Fernsehteam ein Interview. Er könne sich jetzt noch zwei Jahre herumschleppen, sagt Faltenbacher, „aber ich habe von diesem Leben nichts“. Die Palliativmedizin sei ausgereizt, „die kann mir keine Lebenslust verschreiben“. Ein Arzt besorgte ihm das tödliche Medikament – was nicht strafbar ist, solange der Arzt es nicht selbst verabreicht. Eine Mehrheit der Landesärztekammern untersagt ihren Mitgliedern allerdings jede Form von Sterbehilfe.

Auf politische Statements wird verzichtet

Das Thema Sterbehilfe beschäftigt zurzeit auch den Bundestag. Vier fraktionsübergreifende Gesetzesentwürfe liegen vor, drei davon wollen das Strafrecht ändern. Im November soll darüber abgestimmt werden. Filmautor Ulli Wendelmann verzichtet in seiner sehenswerten ARD-Dokumentation „Wer hilft mir beim Sterben?“ auf Statements von Politikern, mal abgesehen vom ehemaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering, der wegen der Krebserkrankung seiner zweiten Frau im Jahr 2007 als Bundesminister zurückgetreten war und Sterbehilfe ablehnt. Der Film hält sich anhand von verschiedenen, gut ausgewählten Fällen an die Lebenswirklichkeit und greift dabei wichtige Fragen auf, die auch in der politischen Debatte eine Rolle spielen.

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