Machtkampf um die Sexualethik droht zu eskalieren


Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus muss zusehen, wie die Auseinandersetzung zwischen Reformern und Konservativen die Kirche zu spalten droht. Auf der Synode zur Sexuallehre in Rom könnte der uralte Streit eskalieren.

Von Lucas Wiegelmann|DIE WELT

Als seine Bischofskollegen gerade in ihren feierlichen Chorgewändern zur Frühmesse einziehen, schiebt sich Stefan Oster am anderen Ende des Doms zu Fulda noch schnell in eine Kirchenbank am Rand. Eigentlich sollte er jetzt mit den anderen in Zweierreihen vor den Altar treten und dann einen Platz vorn im Mittelschiff einnehmen, wo die mit Goldschnitt verzierten Gebetbücher bereitliegen. Aber Oster, der Bischof von Passau, trägt keine liturgische Kleidung, sondern nur einen schwarzen Anzug. Er ist heute spät dran, weil er vorhin noch etwas länger in einer Seitenkapelle privat gebetet hat. In der Eile wollte er sich danach nicht noch mal für die Messe umziehen.

Es wird der letzte Tag bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz. Die letzte Gelegenheit für die deutschen Oberhirten, noch einmal in größerer Runde über die Lage der Kirche zu reden und an der gemeinsamen Strategie zu feilen für das, was jetzt auf sie zukommt. Da kann einem schon mal nach einem längerem Gebet in der Seitenkapelle zumute sein.

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