Bruchstücke einer atheistischen Konfession


«Die Kunst an nichts zu glauben» – wie der Dichter Raoul Schrott lügt, um die Wahrheit zu retten. (Bild: Imago)
Wer ein Buch von Raoul Schrott zur Hand nimmt, muss auf die Vorspiegelung wahrer Fiktionen gefasst sein. Auch sein atheistisches lyrisches Pamphlet «Die Kunst an nichts zu glauben» hat es in sich.

Von Hannelore Schlaffer|Neue Zürcher Zeitung

Altehrwürdige Bibliotheken, die Biblioteca Classense etwa in Ravenna, haben mächtige Portale, und ein Besucher hätte es nicht leicht, sich durch diese hindurch in die würdigen Räume hineinzustemmen. Selbst wenn er das geschafft haben sollte, wäre die Ordnung einer Bibliothek, wären Register, Kataloge, Signaturen kompliziert genug, um ihm ein weiteres Mal den Weg zu den Schätzen, die dort lagern, zu erschweren.

Eine solch mächtige Pforte muss auch der Leser durchschreiten, wenn er sich in Raoul Schrotts jüngstes Buch Eingang verschaffen will. Es sei, so der Österreicher Raoul Schrott, vor den Mosaiken von Ravenna und in der berühmten Bibliothek dieses Ortes entstanden: «In der Biblioteca Classense», so berichtet der habilitierte Komparatist, der sich, wie das philologisch anspruchsvolle Vorwort zeigt, so ganz von der Universität nicht verabschieden mag, «stiess ich auf ein Manuskript aus der Zeit um 1700, das eine Bibel solcher Weltlichkeit entwarf», wie sie auch auf den Mosaiken zu finden sei.

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