Ein deutsch-jüdischer Mediziner in Berlin und Palästina…


Dr. Stulz, hinten stehend, stammt vom Sozialdemokratrischen Ärztetag Ende Mai 1931 in Leipzig.

„Diesen jüdischen Verbrechern ist jetzt endgültig das Handwerk gelegt.“ – so lautete der zynische Kommentar von „Reichsärzteführer“ Gerhard Wagner zum endgültigen Entzug der Approbation für jüdische Ärzte aufgrund der „4. Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ vom 25. Juli 1938.

Von Franz-Josef Schmit|haGalil.com

Die Entrechtung und Verfolgung der deutsch-jüdischen Mediziner hatte bereits unmittelbar nach der Machtübernahme mit großer Vehemenz eingesetzt. Dabei konnten die braunen Machthaber sich bei der Formulierung ihrer Ausgrenzungserlasse auf Gedankengut stützen, das konservativ-nationale ärztliche Standesvertreter bereits in der Weimarer Republik in scharfen Polemiken gegen die angebliche „Verjudung eines ganzen Berufsstandes“ hatten verlauten lassen.

Dr. Otto Stulz, am 24. Januar 1874 in Wittlich geboren, war einer von über 8000 Ärzten in Deutschland, die aufgrund ihrer Herkunft 1933 als „jüdische Ärzte“ galten. Stulz stammte aus einer liberalen jüdischen Familie. Die Vorfahren waren aus Böhmen nach Wittlich gekommen. Ottos Vater Wilhelm betrieb mit seiner Frau Bertha am Marktplatz ein Textilgeschäft. Er war ein liberaler Geist, der wesentlich dazu beigetragen hatte, dass sich in Wittlich das Reformjudentum in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts in der Auseinandersetzung mit einer kleinen Gruppe orthodoxer Juden durchsetzen konnte. Von 1890 bis 1893 war Wilhelm Stulz Mitglied des Repräsentatenkollegiums. Seine sechs Kinder besuchten nicht die jüdische, sondern die christliche Volksschule. Trotzdem gehörte Wilhelm Stulz über Jahre dem Schulvorstand der jüdischen Schule an. Das Medizinstudium hatte Otto Stulz, der jüngste Spross der Familie, in Würzburg 1897 mit einer Promotion im Fach Chirurgie abgeschlossen. In Berlin betrieb er eine Privatpraxis als Nervenarzt mit Kassenzulassung. Damit war er einer von über 8000 Ärzten in Deutschland, die aufgrund ihrer Herkunft 1933 als „jüdische Ärzte“ galten. Der Anteil jüdischer Ärzte lag reichsweit etwas über 11 Prozent, wobei sich in den großen Städten wie Hamburg und Berlin die meisten niedergelassen hatten, so dass dort bis zu 40 Prozent jüdische Ärzte praktizierten.  Seit Dezember 1900 war Dr. Stulz mit der zwei Jahre älteren Philippine Rosa Goldstein verheiratet.

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