Sex sells, auch in der Kirche


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Die katholische Kirche widmet eine ganze Bischofssynode dem, was in den Betten ihrer Schäfchen passiert. Dabei geht es mehr um mediale Aufmerksamkeit als wirkliche Aufklärung

Von Matthias Kamann|DIE WELT

Man müsste mal eine Strichliste führen. Man müsste nachzählen, wer am meisten über Sex und Geschlechterverhältnisse redet. Gewiss, Pornografen würden auf der Liste ganz oben stehen, dicht gefolgt von pubertären Facebook-Nutzern. Aber knapp dahinter dürften die Religionsgemeinschaften stehen. In der katholischen Kirche soll eine ganze Bischofssynode wochenlang über Homosexuelle und wiederverheiratete Geschiedene debattieren. An den Rand der Spaltung scheint dies den Katholizismus zu führen. Islamisten suggerieren, Hauptziel ihrer Religion sei die Unterdrückung von Frauen und Schwulen. Unter Hindus und russischen Orthodoxen gibt es ähnliche Leute. Auch Protestanten inflationieren die geschlechtliche Rede: Mal wird die Vereinbarkeit von Sexspielzeug und Bibel erörtert, mal gegen die Homo-Ehe im Pfarrhaus gewettert. Haben die keine anderen Themen?

Aufschlussreich hat sich dazu ein evangelischer Kritiker der Homo-Ehe geäußert, Carsten Rentzing. Der sächsische Landesbischof wurde im „Welt“-Interview gefragt, warum Evangelikale ihr Glaubensfeuer so sehr beim Streit über die Homosexualität entbrennen lassen. Rentzing: „Durch dieses emotional ja sehr aufwühlende Thema wurden viele Christen überhaupt sensibilisiert für die Frage, wie wir es generell mit dem Wort Gottes halten.“

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