Die Chamäleonfolie


Eine neu entwickelte Siliziummembran hat das Potenzial, Unsichtbares sichtbar und Sichtbares unsichtbar zu machen.

Von Joseph Scheppach|Technology Review

Erstaunt reißt der Autofahrer die Augen auf. Der Asphalt der Brücke, die er überqueren will, ist von farbigen „Äderchen“ durchzogen. Der Mann tritt auf die Bremse – Minuten später wird die Brücke gesperrt. Sie hat Risse.

Das Beispiel ist fiktiv – aber bald könnten nicht nur an Brücken, sondern auch an Flugzeugen und Gebäuden winzigste Schadstellen durch Leuchtfarben aufgezeigt werden, und zwar lange bevor man die Haarrisse mit bloßem Auge wahrnimmt. Dazu müssten Asphalt, Flugzeugflügel oder Häuserwände mit dem neuen Material überzogen werden, das die Elektrotechnikerin Connie Chang-Hasnain von der University of California vor wenigen Monaten erstmals hergestellt hat: eine Siliziummembran, tausendmal so dünn wie ein Haar und sehr flexibel. Sie wird von einem Muster feinster Rippen durchzogen, jede nur 100 Nanometer dick. Sobald die Membran nur ein klein wenig zusammengedrückt oder auseinandergezogen wird, reflektieren die Rippen das Licht in einer anderen Wellenlänge. Dadurch wechselt für das menschliche Auge die Farbe.

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