Taylor: „Religionen können Frieden stiften“


Fünf Fragen an Professor Charles Taylor zur multikulturellen Gesellschaft und Verweltlichung, zu kultureller Prägung und der Rolle von Religionen.

Von Stefan Reccius|Deutsche Welle

Der deutsche Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas und sein kanadischer Kollege Charles Taylor sind am 29. September 2015 in Washington gemeinsam mit dem John W. Kluge Preis ausgezeichnet worden. Er gilt als höchste Ehrung für ein philosophisches Lebenswerk und ist mit 1,5 Millionen Dollar (1,3 Mio Euro) dotiert. Am Tag der Preisverleihung stellten sich beide in der Bibliothek des US-Kongresses den Fragen der Deutschen Welle.

DW: Herr Professor Taylor, als Weltreisender in Sachen Philosophie haben sie sich ausführlich dem Konzept der multikulturellen Gesellschaft gewidmet. Was ist ihre zentrale Erkenntnis?

Charles Taylor: Ich sehe das auf zwei Ebenen. Multikulturalismus ist zunächst eine Tatsache: Die Gesellschaften westlicher Demokratien werden immer multikultureller, zum einen aufgrund von Einwanderung, zum anderen, weil Menschen innerhalb einer Gesellschaft neue Identitäten annehmen oder weil neue Identitäten Gehör finden, man denke an die Feminismus-Bewegung. Dadurch werden Gesellschaften immer facettenreicher. Daraus folgt als zweites die Frage, wie wir damit umgehen und uns gegenseitig respektieren.

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