Marokko ruft Schweden Boykott aus


Bild: wikimedia.org/PD
Unter anderem konnte eine IKEA-Filiale nicht eröffnet werden, weil Schweden die Demokratische Arabische Republik Sahara anerkennen will

Von Ralf Streck|TELEPOLIS

Nun hat das autokratische Königreich Marokko die Hüllen fallen lassen und offen einen Boykott gegen schwedische Unternehmen und Waren verkündet. Es war schon gemutmaßt worden, dass dies dahinter stand, als eine Filiale von IKEA in Casablanca am vergangenen Dienstag nicht eröffnet werden konnte.
Zunächst hatte man sich in Marokko noch hinter Bürokratie versteckt. Und IKEA hatte sogar erklärt, dass die außergewöhnliche Aussetzung der Eröffnung, die wie stets groß beworben worden war, von der IKEA-Zentrale bestimmt worden sei, weil einige Vorgänge noch abgeschlossen werden müssten. Offenbar will sich IKEA nicht mit der Regierung anlegen, weil Investitionen gefährdet sind. Der schwedische Konzern will fünf Möbelhäuser in Marokko eröffnen.

Jedenfalls klang das schon merkwürdig, denn die staatliche Nachrichtenagentur MAP hatte berichtet, dass die lokalen Behörden dem Projekt die nötige „Konformitätsbescheinigung“ nicht ausgestellt hätten, weshalb die Eröffnung annulliert worden sei. Deshalb hatten gut aus dem Königshaus informierte Medien gemeldet, dass es sich um eine „Repressalie“ handelt, weil die Schweden dabei ist, die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) anzuerkennen.

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1 Comment

  1. Ich habe nachfolgendes auf Erfahrungen in Marokko geschrieben. Dazu gehört auch in Casablanca im Flughafen verhaftet zu werden, ich wäre ein Spion. Dabei habe ich nur einen Bericht ins Diktaphon gesprochen, was der Analphabet in Uniform nicht begreifen konnte.

    Eine effektive Verwaltung ist in Muslimen Staaten unbekannt, man kontaktiert eine Person „seines Vertrauens“, bekommt eine Audienz, erklärt das Vorhaben, zahlt das Bestechungsgeld und wartet. Passiert lange nichts, wiederholt man die Prozedur solange bis einem klar wird, das Vorhaben wird abgelehnt. Bescheide auf schriftliche Eingaben sind nur informativ, unvollständig ohne Rechtskraft. Mangels Sicherheit ist eine erteilte Genehmigung jederzeit widerrufbar. Sobald ein Konkurrent den Entscheidungsträger höher schmiert oder der Despot sich beleidigt fühlt, marschiert das Militär auf, legt alles still und verhaftet einige Personen. Das dauert Monate und kostet erneut noch mehr Schmiergeld, bis es vielleicht weitergeht.

    Das nennt sich Klientelwesen, diese „Kultur“ von Korruption, Betrug und Erpressung ist extrem resistent gegen jegliche Änderung. In manchen Ländern sind zu den reinen Sachkosten bis zu 60% Aufschlag für Bestechung notwendig. Wenn ein wichtiges Gerät einer Anlage ausfällt, dann holt man sich vom Hersteller ein Angebot, schlägt 35 – 60% drauf und beantragt bei der Nationalbank die Devisenfreigabe. Liegt die nach Monaten vor, stellt die lokale Bank einen unwiderruflichen Kreditbrief auf eine westliche Bank aus. Damit kann bestellt und geliefert werden. Nach etwa 5 – 6 Monaten liegt das Ersatzteil im lokalen Zoll, die Freigabe mit der Abwicklung dauerte weitere 2 – 3 Monate. In der Zwischenzeit von etwa 9 Monaten steht die Anlage still, die Arbeitskräfte drehen Daumen. Alternativ wendet man sich an eine Person „seines Vertrauens“, zahlt das dreifache Bestechungsgeld plus den Preis und das dringend notwendige Teil wird mysteriös nach nur 2 Monaten am lokalen Flughafen entladen.

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