Mohammed-Karikaturen: „Ich war traurig, meinen Propheten so zu sehen“


Der Religionswissenschaftler Ahmad Milad Karimi (Deutschlandradio / Volker Finthammer)
Vor zehn Jahren brachten Mohammed-Karikaturen aus Dänemark die Welt in Aufruhr. Milad Karimi, Professor für Islamische Philosophie und Mystik, ist zwar überzeugt: Religion lebt von Kritik. Über die Karikaturen konnte er damals trotzdem nicht lachen. Aus mehreren Gründen.

Milad Karimi im Gespräch mit Philipp Gessler|Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Seit Anfang der Woche und noch eine Woche lang stellen wir in Deutschlandradio Kultur Menschen vor, die ihre Heimat verlassen mussten. „Neues Zuhause“ heißt diese Serie, „Geschichten vom Ankommen“.

Sie haben im Zuge dieser Serie heute schon einiges von Milad Karimi mitbekommen. Geboren 1979 in Kabul, Afghanistan, aufgewachsen mitten im Krieg, floh er als Kind mit seiner Familie über Moskau, übrigens mithilfe eines Schleppers, nach Deutschland – und hat hier eine unglaubliche Karriere gemacht: Milad Karimi ist einer der führenden Köpfe des Islam in Deutschland, ja in Europa. Wenn es jemals so etwas wie den Euro-Islam geben sollte, dann wird man an seinem Namen nicht vorbeikommen.

Aber mit Milad Karimi, Professor für Islamische Philosophie und Mystik an der Universität Münster, wollen wir in „Religionen“ nicht noch einmal über seine Flucht sprechen, sondern über die sogenannten Mohammed-Karikaturen, die vor zehn Jahren die halbe Welt in Aufruhr gebracht haben. Meine erste Frage an Milad Karimi war, ob er sich noch daran erinnern könne, wo und wie er damals von den Mohammed-Karikaturen erstmals gehört habe.

Milad Karimi: Ja, eigentlich schon. Es war so vor zehn Jahren ungefähr, ich war ziemlich überrascht, weil ich war in Indien in dieser Zeit und habe es dort erlebt. Ich war in der Altstadt in Delhi, und plötzlich sah ich eine Masse von Menschen, die protestieren, und da gab es auch die dänische Flagge, und da hab ich mir schon gedacht, da muss irgendwas Großes passiert sein. Aber aus der Demonstration heraus konnte ich nicht entnehmen, was los ist, sondern erst im Nachhinein.

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