Sultan Erdogan treibt den Preis hoch


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Der türkische Präsident benutzt die Flüchtlingskrise bei seinem Besuch in Brüssel zu brisanten Forderungen

Von Eric Bonse|TELEPOLIS

So einen großen Bahnhof hat es in Brüssel schon lange nicht mehr gegeben. Die Präsidenten aller drei großen EU-Institutionen hießen den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Montag in der EU-Kapitale willkommen. Gleich dreimal durfte sich der selbstbewusste Sultan mit vorgefertigten Statements der Presse präsentieren (Fragen waren nicht zugelassen).

Nach Einzelgesprächen mit Jean-Claude Juncker (EU-Kommission), Donald Tusk (Rat) und Martin Schulz (Europaparlament) war Erdogan dann auch noch zu einem exklusiven (und natürlich vertraulichen) Arbeitsessen mit den drei EU-Chefs geladen. Zumindest unter der Juncker-Kommission hat es derlei Ehren für einen einzelnen Staatsmann noch nie gegeben. Erdogan wurde wie ein Herrscher empfangen, die EU-Politiker benahmen sich wie Bittsteller.

Das muss wohl an der Flüchtlingskrise liegen. Seit hunderttausende Syrer, Iraker und andere Migranten von der Türkei über die Ägäis nach Griechenland und dann über die Balkanroute nach Deutschland gelangt sind, nimmt Erdogans Reich plötzlich eine strategische Schlüsselrolle ein – jedenfalls aus Sicht der EU. Denn ohne oder gar gegen die Türkei, so der neue Brüsseler Konsens, lässt sich die humanitäre und politische Krise in Europa nicht mehr lösen.

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