Evangelikale Bibel-Fundis auf der Apostel-Synode


jesus_love_noThomas Schirrmacher vertritt die Evangelikalen bei der Familiensynode im Vatikan. Ihre Ergebnisse werden auch Protestanten beeinflussen, prognostiziert der deutsche Theologe und Religionssoziologe im DW-Gespräch.

Von Stefan Dege|Deutsche Welle

Deutsche Welle: Herr Professor Schirrmacher, die Welt dreht sich weiter. Immer mehr Katholiken leben anders, als es die Kirchenlehre vorschreibt. Sollte die katholische Kirche ihr Familienbild revidieren?

Thomas Schirrmacher: Es geht bei dieser Synode um die Frage, ob es Möglichkeiten gibt, aus Liebe und Barmherzigkeit viel intensiver auf die Realität der Menschen einzugehen als derzeit üblich. Ich würde sagen: Ja, das ist möglich und es muss möglich sein. Andernfalls müsste man alle, die nicht nach Vorschrift leben, aus der Kirche ausschließen. Und dann wäre die Kirche eben sehr klein.

Verfechter der reinen Lehre wollen möglichst keine Veränderung. Hält die Kirche das durch? Oder riskiert sie, sich selbst zu marginalisieren, indem sie sich von den Menschen entfernt?

Was die Kirche riskiert, ist vor allen Dingen Doppelmoral – dass sie so tut, als hielte sie sich an bestimmte Vorschriften und es de facto doch nicht tut. Zum Beispiel: Wiederverheiratete dürfen an der Messe nicht teilnehmen. Aber das kontrolliert natürlich keiner. Betroffene mit einem lockeren Gewissen gehen einfach weiter zur Messe. Und diejenigen mit einem strikteren Gewissen gehen nicht mehr hin, leiden aber enorm darunter. Da muss die Kirche schon erklären, wieso sie diese Menschen nicht exkommuniziert. Sie gehören zur Kirche dazu. Man will sogar, dass sie mitarbeiten. Aber sie dürfen nicht an der Messe teilnehmen.

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