Mouhanad Khorchide“Im Exklusivismus liegt das Gewaltpotenzial der Religionen“


Mouhanad Khorchide zu seinem neuen Buch „Gott glaubt an den Menschen. Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus“. (Rolf Vennenbernd / picture alliance / dpa)
Mouhanad Khorchide ist einer der wichtigsten islamischen Theologen in Deutschland und zugleich wohl die wichtigste Stimme im muslimischen Reformlager. Dabei ist er durch und durch Wissenschaftler und Theologe. Das zeigt sich auch in seinem neuen Buch, das heute erscheint. „Gott glaubt an den Menschen. Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus“. Darin geht es auch und vor allem um Freiheit.

Mouhanad Khorchide im Gespräch mit Andreas Main|Deutschlandfunk

Im Gespräch mit Mouhanad Khorchide geht es um muslimische Reformverweigerer, um Freiheit in der islamischen Tradition sowie um sein Plädoyer, sich für das Andere und die Anderen zu öffnen. Auch gegenüber Flüchtlingen. Hier einige zentrale Kernthesen aus dem Gespräch:

Mouhanad Khorchide über das, was er als „Westophobie“ bezeichnet:

„Ich bin immer wieder konfrontiert mit muslimischen Aussagen, die sehr schnell in ein verschwörungstheoretisches Konstrukt verfallen. Alle Schuld an egal welchen Miseren dieser Welt, gerade in der islamischen Welt – das ist der böse Westen. Und das kann so nicht sein. Man verliert dann die Objektivität. Und gerade jetzt in der Situation hier in Deutschland, wenn wir einen sehr stark geprägten Opferdiskurs haben – die wollen uns nicht – oder was ich immer wieder höre: weil sie an staatlichen Universitäten sitzen und dort islamische Theologie betreiben, das kann nur Staatsislam sein. Das sind westophobe Ausdrücke. Das sagt viel mehr über die Person selbst, dass man ein Problem damit hat, dass Europa, dass der Westen islamische Theologie einführt oder überhaupt Raum schafft für islamischen Religionsunterricht oder für Muslime, dass sie ihren Glauben reflektieren. Dass das sofort per se dann abgelehnt wird, weil das im Westen stattfindet. Da hat man ein großes Problem offensichtlich mit dem Westen oder mit Europa.“

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