Mission impossible


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Die rheinische Landeskirche will auf die Bekehrung von Muslimen verzichten. Das soll dem gesellschaftlichen Frieden dienen. Ein Bruch mit der Tradition.

Von Till-R. Stoldt|WELTamSONNTAG

Sympathisch fand Barbara Rudolph den Mann, der da neben ihr auf dem Podium saß. In sanften Worten erzählte er, Gott liebe unterschiedslos alle Menschen. Und vom Menschen erwarte der Schöpfer nicht so sehr bestimmte Glaubenssätze, sondern vor allem Barmherzigkeit. Deshalb müssten auch die Geschöpfe alle Menschen gleich lieben, ob sie fremd oder vertraut seien, ob sie der eigenen, einer anderen oder gar keiner Religion folgten. Barbara Rudolph kann sich an die Podiumsdiskussion mit dem sympathischen Herrn noch gut erinnern. „Unterscheiden konnte man uns manchmal nur daran, dass ich meine Meinung mit der Bibel begründete und er die seine mit dem Koran“, sagt sie.

Was nicht verwundert, schließlich handelt es sich bei Barbara Rudolph um eine Christin und bei erwähntem Herrn um den Muslim Mouhanad Khorchide, der den Lehrstuhl für islamische Religion der Uni Münster leitet. „Wie käme ich auf die Idee, einen solchen Menschen für das Christentum gewinnen zu wollen?“ fragt Rudolph. „Das hätte er zu Recht als Ohrfeige verstehen müssen“. Rudolph, die die Ökumene-Abteilung der evangelischen Kirche im Rheinland anführt, hält nichts davon, Reformmuslime zu missionieren. Aber sie geht noch bedeutend weiter. In einem Positionspapier der Landeskirche, das diese Woche an die Gemeinden verschickt wurde, lehnt sie Missionsversuche an Muslimen nun grundsätzlich ab.

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