Dodo Müller: das ist ein neues Vatileaks


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Zur Veröffentlichung eines privaten Briefs an Papst Franziskus: Der wahre Skandal bestehe nicht etwa in Inhalten des Schreibens, sondern in dessen Veröffentlichung.

Von Armin Schwibach|kath.net

In einem Interview mit dem „Corriere della Sera“ vom 13. Oktober 2015 nahm der Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, Gerhard Kardinal Müller, zur Veröffentlichung eines Schreibens Stellung, das angeblich von 13 Kardinälen unterzeichnet worden sein soll (unter den Unterzeichnern befand sich auch sein Name; kath.net hat berichtet). Das Schreiben setzt sich kritisch mit einigen Inhalten und vor allem mit den Prozeduren der gegenwärtigen Bischofssynode zur Ehe und Familie auseinander.

Der Kardinal betonte gegenüber Gian Guido Vecchi, dass es sich im eine schwerwiegende Episode handle. Wer das Schreiben, einen privaten Brief, der zu den Dokumenten des Papstes gehöre, veröffentlicht habe, müsse zur Rechenschaft gezogen werden. Der wahre Skandal bestehe nicht etwa in Inhalten des Schreibens, sondern in dessen Veröffentlichung. Dies käme einem neuen Vatileaks gleich.

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Der Brief:

Euer Heiligkeit,

während die Synode über die Familie beginnt und mit dem Wunsch, daß sie fruchtbar der Kirche und Ihrem Dienst dient, ersuchen wir Sie respektvoll, eine Reihe von Sorgen zu berücksichtigen, die wir von anderen Synodenvätern gesammelt haben und die wir teilen.

Das Vorbereitungspapier der Synode, das Instrumentum laboris, das wohl einige bewundernswerte Hinweise enthält, enthält aber auch Abschnitte, für die es von Vorteil wäre, wenn man sie einem substantiellen Überdenken und einer Überarbeitung unterziehen würde. Die neuen Prozeduren, nach denen die Synode stattfindet, scheinen einen überzogenen Einfluß auf die Entscheidungen der Synode und auf das Synodenschlußdokument zu nehmen. Ebensowenig kann das Instrumentum, so wie es ist und angesichts der von uns von vielen Synodenvätern gesammelten Bedenken über verschiedene problematische Abschnitte, angemessen als richtungsweisender Text oder als Grundlage für das Schlußdokument dienen.

Die neuen Synodenprozeduren werden in einigen Kreisen als Mangel an Offenheit und genuiner Kollegialität gesehen werden. In der Vergangenheit diente der Prozeß zur Einbringung von Propositionen und ihre Abstimmung dem wertvollen Zweck, die Orientierung der Synodenväter zu messen. Das Fehlen der Propositionen und der entsprechenden Diskussionen und Abstimmungen scheint eine offene Debatte zu entmutigen und die Diskussion in die Circuli minores zu verbannen; daher erscheint es uns dringlich, daß die Redaktion der Propositionen, die von der ganzen Synode abzustimmen sind, wiederhergestellt werden sollte. Die Abstimmung über das Schlußdokument kommt im Prozeß der völligen Überarbeitung und Ausbesserung des Textes zu spät.

Zudem hat das Fehlen einer Beteiligung der Synodenväter an der Zusammensetzung der Redaktionskommission erhebliches Unbehagen ausgelöst. Ihre Mitglieder wurden ohne Beratung ernannt und nicht gewählt. Ebenso sollte jeder, der Teil der Redaktion irgendeines Textes auf der Ebene der Circuli minores ist, gewählt und nicht ernannt werden.

Diese Tatsachen haben ihrerseits die Sorge entstehen lassen, daß die neuen Prozeduren nicht dem traditionellen Geist und der Zielsetzung einer Synode entsprechen. Man versteht nicht, warum diese Änderungen der Prozeduren notwendig sein sollen. Einer gewissen Anzahl von Synodenvätern erscheint der neue Prozeß darauf abgestimmt, zu wichtigen umstrittenen Themen vorgefertigte Ergebnisse zu erleichtern.

Schließlich, und vielleicht mit größtem Nachdruck, haben verschiedene Synodenväter die Sorge zum Ausdruck gebracht, daß eine Synode, die geplant ist, um eine lebenswichtige pastorale Frage zu behandeln – nämlich die Würde der Ehe und der Familie zu stärken – vom theologisch/doktrinellen Problem der Kommunion für standesamtlich wiederverheiratete Geschiedene beherrscht werden könnte. Wenn sich das bewahrheiten sollte, würde das unvermeidlich noch weit grundlegendere Fragen aufwerfen, wie die Kirche auf ihrem Weg das Wort Gottes, ihre Doktrin und ihre Disziplin in den Veränderungen der Kultur interpretieren und anwenden sollte. Der Kollaps der liberalen protestantischen Kirchen, beschleunigt durch das Aufgeben von Schlüsselelementen des Glaubens und der christlichen Praxis im Namen einer pastoralen Anpassung, rechtfertigt eine große Zurückhaltung in unseren Synodendiskussionen.

Heiligkeit, wir bringen diese Gedanken in einem Geist der Treue vor und danken Ihnen, daß Sie sie in Betracht ziehen.

In Treue Ihre in Jesus Christus

Kardinal George Pell, Präfekt des Wirtschaftssekretariats (Australien)
Kardinal Gerhard Müller, Präfekt der Glaubenskongregation (Deutschland)
Kardinal Robert Sarah, Präfekt der Gottesdienstkongregation (Guinea)
Kardinal Carlo Caffarra, Erzbischof von Bologna (Italien)
Kardinal Thomas Collins, Erzbischof von Toronto (Kanada)
Kardinal Timothy Dolan, Erzbischof von New York (USA)
Kardinal Willem Eijk, Erzbischof von Utrecht (Niederlande)
Kardinal Wilfrid Fox Napier, Erzbischof von Durban (Südafrika) und stellvertretender Synodenvorsitzender
Kardinal Jorge Urosa Savino, Erzbischof von Caracas (Venezuela)

Kardinal Peter Erdö, Erzbischof von Esztergom-Budapest (Ungarn) und Generalberichterstatter der Bischofssynode*
Kardinal Mauro Piacenza, Großpönitentiar und ehemaliger Präfekt der Kleruskongregation (Italien)*
Kardinal Angelo Scola, Erzbischof von Mailand (Italien)*
Kardinal Andre Vingt-Trois, Erzbischof von Paris (Frankreich)*

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